HM, LECKER!

Ein großes „B“ auf den Nudeln, Schinken von wallonischen Ardennenschweinen, Käse und andere Produkte von lächelnden und glücklichen flämischen Kühen!
So habe ich mir mein Abendbrot vorgestellt.

Und früher, noch vor BSE und mit Salmonellen verseuchten Frischeiernudeln, da habe ich kein Schweinefleisch gegessen. Denn Schweine wurden ja, das wußte jeder, dermaßen mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt, weil die doch so nervös sind beim Massenabtransport zum Schlachter. Die armen Viecher. Also aß ich nur das Fleisch glücklicher holsteinischer und die Schokolade noch glücklicherer lila Kühe und reichlich Obst und Gemüse.

Desillusionierend habe ich dann den Artikel eines großen deutschen Nachrichtenmagazins über einen großflächig anbauenden Ökobauern aus Mörfelden-Waldorf zur Kenntnis nehmen müssen. Diese eher unbedeutende Ortschaft hatte wenig früher durch die Proteste der Startbahn-West-Gegner von sich reden gemacht. Tja: die Startbahn war nun aber längst gebaut worden. Und Flugzeuge lassen vor jedem Landeanflug überflüssiges Kerosin ab. Das wiederum rieselt auf die Felder im Landkreis Groß-Gerau, somit auch nach Mörfelden-Waldorf. Da konnte sich der Bauer noch so sehr anstrengen, sein Gemüse so naturgemäß wie nur möglich und ohne vergifteten Kunstdünger anzubauen. Frankfurt hat den größten Flughafen der Republik. Der Kerosinregen kommt im Minutentakt! Das Gemüse wuchs und gedieh zur anfänglichen Freude eben dieser Landwirte. Ich begann damals, über das Wort „Bio“, das sehr modern geworden war, nachzudenken.

Dann explodierte der Reaktor in Tschernobyl. Nicht nur, daß dieses Ereignis für radioaktiven Niederschlag in weiten Teilen Skandinaviens und Mitteleuropas sorgte, nein, die Krebsfoschung wurde zur Weiterarbeit ermuntert und interessante neue Mutationen im Tierreich haben seither die Fauna der Ukraine belebt. Und auch das schockte uns: Waldpilze haben die Radioaktivität nur so aus dem Boden gesaugt, durch den oben erwähnten Niederschlag bekam europäisches Obst und Gemüse eine ganz besondere Note: Holländische Tomaten hatten plötzlich wieder so etwas wie Geschmack, der sich von dem grüner Gurken unterschied!

Das sollte aber nicht alles bleiben: Britische Rinder begannen zu zappeln und dieses hirnerweichende Syndrom fordete auch unter uns Menschen Opfer. (Wieso kommt mir jetzt gerade eigentlich ausgerechnet Prinz Charles‘ Konterfei in den Sinn?) Kühe sind eben nicht mehr nur das Mittel, um aus Gras Milch zu gewinnen. Sie zeigen uns deutlich, wozu so ein Rindvieh noch fähig ist.

Im Bier fand irgendein gelangweilter Nahrungsmittelchemiker gar Östrogene und Hühnereier schmeckten schon lange nach Fisch.

So richtige Leckerlichkeiten kommen eben nicht mehr nur aus Britannien und aus dem schönen Amiland, wo Speisen so genmanipuliert werden, daß man Mühe hat, sie am Geschmack zu erkennen, geschweige denn sie am Aussehen zu unterscheiden. Nein. Unserem kleinen Nachbarn Belgien ist es mal wieder gelungen, das alles zu toppen. So langsam merken einige Eurokraten (und belgischen Bauern ist es auch nicht verborgen geblieben), daß Brüssel die Macht zu entgleiten droht. Die Europäische Zentralbank hat in Frankfurt ihren Sitz gefunden und der Krümmungsgrad von in französischen Überseedepartements wachsenden Bananen wird einfach nicht eingehalten. Die Europäer machen, was sie wollen. Belgien läßt das nicht auf sich sitzen und reagiert prompt. Nur leider sind jetzt belgische Supermarkttheken leer und die Bevölkerung ist panisch. Also, werden die zuständigen Politiker mal wieder nicht müde, in die Welt hinauszuposaunen, daß das alles nur halb so schlimm sei. Die Werte seien gar nicht so bedenklich oder gar gesundheitsschädlich. Das habe es alles schon früher gegeben.

Politiker müssen so etwas sagen, sie werden dafür bezahlt! Was soll auch die ganze Massenhysterie? Bringt doch eh alles nix.

Alles in allem hatte ich meine Meinung etwas geändert: Ich nahm wieder Schweinefleisch zu mir. Nicht ausschließlich und nicht in rauhen Mengen. Aber es hat seine Wirkung nicht verfehlt: Ich lebe seitdem streßfreier und beruhigter.

Ich sage euch: ich kauf nix mehr ohne Schwermetalle und keine nicht mit sonstigen Giften verfeinerte Nahrungsmittel. Erstens habe ich so eine bessere Bodenhaftung. Und zweitens schmeckt mir das andere Zeugs sowieso nicht mehr!

Übrigens hat sich da jetzt ein Beschaffungsproblem ergeben: Die richtig giftigen Sachen bekommt man ja auch nicht mehr auf dem freien Markt. Und das, wo sich jetzt bei belgischen Fleischgerichten eine noch viel schnellere und obendrein wirkungsvollere Ingredienzie angefunden hat: P.C.B. Das muß sich einer erst mal auf der Zunge zergehen lassen!

Und vergiftete Coca Cola aus unserem Nachbarland ist jetzt auch schon vom freien Verkauf ausgeschlossen. Nun muß ich wieder nacktes mit nicht ganz so schmackhaften Östrogenen versetztes Leitungswasser aus meinen alten, verkalkten Bleirohren trinken.

Prost!

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