LIEBER MATTI

Was tun, wenn der Freund weit weg ist und das Leben zu Hause weitergeht? Auf jeden Fall ist es wichtig, in Kontakt zu bleiben. Das denkt sich Alexander und schreibt seinem Freund Matthias E-Mails. Besser als nichts …

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Donnerstag, den 28. Februar 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

es ist langweilig hier, seit du weg bist. Die Schule. Die Nachmittage. Der Verein … Du fehlst mir.

Okay, im Verein ist jetzt gerade zu dieser Jahreszeit eh nicht viel los. Jetzt sind zwar schon Plusgrade, aber es finden sich nicht so viele, die regelmäßig rudern wollen. Alles Weicheier. Manchmal verabrede ich mich mit Svenni. Wenn er sich mal von Sybille loseisen kann (oder sie ihm freigibt *lach*), dann trainieren wir zusammen. Leider nicht so regelmäßig. Gestern erst sind wir im Zweier runter bis zur Glienicker Brücke und dann noch eine Runde über den Wannsee gefahren. Zurück haben wir dann die Abkürzung unter der Schwanenwerder Brücke durch genommen.

Weißt du noch, wie wir da mal hängengeblieben waren? Wir hatten voll Fahrt aufgenommen. du hattest hinter mir gesessen und dich immer wieder umgedreht. Offenbar nicht oft genug, denn dein „Achtung! – Skull lang!“ kam irgendwie viel zu kurzfristig und ich hatte mich auch noch mit meinem Rollsitz verheddert und du hattest mir meinen Steuerbordholm in den Magen gerammt mit deinem Skull. Scheiße, war das ein Schmerz. Dann blieb ich auch noch mit meinen Skulls an den Brückenpfeilern hängen. Auweia! Was hatte Karl, unser Trainer gemeckert. Schließlich brach ein Skull und wir waren noch mit dem Bug voll gegen den Beton gekracht.

Das war dann die Geschichte von Kormoran, unserem Doppelzweier!

Als ich gestern mit Svenni da durchgefahren bin – immer schön vorsichtig, damit nicht nochmal so was passiert – habe ich wieder daran gedacht. Bevor wir dann am großen Fenster wieder weitergefahren sind, hat Sven mich gefragt, warum ich heulen würde. Habe ich gar nicht, waren nur ein paar Tränen, die ich nicht zurück halten konnte.

Scheiße, ich vermisse dich so sehr und Sven weiß ja gar nicht, was uns verbunden hat! Ich traue mich aber auch nicht, es ihm zu sagen. Wenn ich nur wüsste, wie er reagieren würde. Ich habe ihm einfach nur gesagt, dass ich an unsere gemeinsamen Fahrten und unsere Rennen gedacht hätte. Wir waren echt ein starkes Team. Wir waren immer unter den ersten drei!

Mit Svenni werde ich das nie schaffen. Der trainiert nicht so viel und nicht so gerne, wie du und ich. Außerdem hat der ne Freundin. Das stört echt ungemein. Ich habe mich deswegen auch nicht zur Frühlingsregatta angemeldet. Auch fürn Einer habe ich keinen Bock.

Svenni jedenfalls ist irgendwie beleidigt gewesen. Er hat wohl Angst gehabt, mit dir konkurrieren zu müssen. Das kann er gar nicht. Wir waren das Dreamteam! Wir sind so gut zusammen gerudert! Wir hatten immer unseren Spaß gehabt und immer alles gegeben!

Das ist nun alles irgendwie vorbei. Ich verspüre keine richtige Lust mehr auf Wettkämpfe.

Vorhin in der Schule ist es auch irgendwie komisch gewesen. Holger sitzt jetzt in Physik neben mir. Er hofft wohl, dass er von mir was lernen kann und bei der nächsten Klausur von mir abschreiben kann. Wenn der wüsste, dass ich immer von dir abgeschrieben hatte und ich deswegen immer so gute Noten geschrieben hatte. Das kann ich mir nun abschminken. Holger versteht von Naturwissenschaften noch viel weniger als ich.

Ich denke an dich und schon schieben sich die Wolken zur Seite und die Sonne scheint. Mehr als zehn Grad sollen es aber die Woche nicht werden. Wie ist das Wetter bei dir?

Fühl dich umarmt. Liebste Grüße,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Donnerstag, den 28. Februar 2013 geschrieben:

Hallo Alex,

schön, von dir zu lesen. Ich langweile mich auch fürchterlich hier ohne dich.

Aber ey, nicht den Kopf hängen lassen. Ich denke auch immer an dich. Und ich würde mich wirklich freuen, wenn du dein Training wieder aufnähmst.

Schade, dass Svenni nicht so gut mitmacht. Naja, es ist immer ein Problem, wenn ein guter Sportler verliebt ist. Wir haben deswegen auch immer mal wieder ein paar Trainingseinheiten verpasst. Erinnerst du dich noch?

Boah, was waren wir vorher umeinander rumgeschlichen. Wir hatten uns vor diesem Tag schon recht gut gekannt, hatten ja schon viel zusammen trainiert und auch sonst viel zusammen unternommen.

Weißt du noch, wie du im Kino nach diesem Film – welcher war das noch gleich? – voll geheult hattest und ich dich trösten musste? Ich hatte echt nicht geahnt, dass du so eine Heulsuse warst. Nun, nach zwei Pötten Kakao im Café warst du wieder zu gebrauchen. Ich wusste doch, wie man dir wieder gute Laune verschaffen konnte. *grinsbreit*

Das mit Holger ist echt so ne Sache. Ich erinnere mich, er ist voll die Niete in Physik. Hätteste dich mal neben Vincent gesetzt: Der hat’s drauf. Hey, mein Lieber, mach dir keine Sorgen. Du bist ein kluges Köpfchen. Du schaffst das mit der Schule schon. Den guten Durchschnitt holste dir in Deutsch und Englisch.

Und was das Rudern angeht: Du musst einfach weitermachen! Und wenn du keinen für den Zweier findest, fahr Einer! Du bist gut und schnell. Du machst die alle nass, das weiß ich! Gegen dich sind die anderen alle nur Krebsfänger.

Mein Lieber, morgen ist Freitag, dann ist Wochenende. Was steht bei dir an?

Ganz liebe Grüße. Ich denke an dich – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Freitag, den 01. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

ich habe mich sehr gefreut, dass du mir geschrieben hast.

Ich gebe mir die größte Mühe, den Kopf nicht hängen zu lassen. Aber es ist sehr schwer. Es ist noch gar nicht so lange her, dass du fort bist. Ich habe mich einfach noch nicht daran gewöhnt. Du fehlst mir einfach sehr. Die Erinnerung an alles, was wir gemacht hatten, ist noch zu frisch.

Heute in Deutsch habe ich neben Sybille gesessen. Du weißt, Svennis Freundin. Das hat sich irgendwie so ergeben. Sie ist voll angepisst, weil ich ihrem Svennilein angeblich deutlich zu verstehen gegeben hätte, dass er es mit dir nicht aufnehmen könnte. Kann er auch gar nicht! Du bist du und er ist er.

Scheiße, mit wem ich mich auch treffe, was immer ich auch mit den anderen mache: Ständig frage ich mich, wie es wäre, wenn du dabei wärst! Und ehrlich mal, Sven ist einfach nicht wie du. Er hat nicht immer Lust, mit mir zu rudern und dann richtig durchzupowern. Was anderes machen wir eh nicht zusammen. Er ist andauernd mit Sybille unterwegs. Nein, ich bin nicht eifersüchtig. Auf wen der beiden denn? Wenn du nicht dabei bist, ist es irgendwie … doof. Da habe ich keine Lust.

Vielleicht bin ich ungerecht, wenn ich alle mit dir vergleiche. Vielleicht ärgere ich die anderen damit und nerve sie. Meist fragen sie mich schon gar nicht mehr, ob ich irgendwohin mitkommen will.

Naja, außer Anna. Die ist echt lieb. Sie ist so ziemlich die Einzige, die begreift, was in mir vorgeht. Sie tröstet mich – oder versucht es zumindest. Ich weiß, sie will mehr von mir, aber sie ist ein Mädchen. Ich kann und will ihr nicht das geben, was sie sich verspricht.

Letztens hat sie mich gefragt, ob wir zusammen ins Kino gehen wollten. Ich habe sie gefragt, ob die anderen mitkommen würden. Da hat sie gesagt, nein, nur wir beide.

„Hey, du willst mich wohl rumkriegen!“ Ich habe versucht, komisch zu sein. Das ist aber völlig falsch bei ihr angekommen.

„Alexander, du bist echt ein Lieber. Darf ich mir denn überhaupt keine Chancen ausrechnen?“, hat sie mir ziemlich schnippisch geantwortet.

„Du willst hoffentlich nicht ausnutzen, dass ich mich momentan so scheiße fühle, seit Matti weg ist?“

Da ist sie mir fast an die Gurgel gegangen: Was mir denn einfiele, sie würde mich einfach nur gerne haben. Das hätte überhaupt nichts mit dir zu tun.

„Bilde dir nicht ein, dass ich es nötig hätte, deine miese Stimmung auszunutzen. Von mir aus kannste bleiben, wo der Pfeffer wächst!“

Ins Kino sind wir natürlich nicht gegangen. Ich hab’s verkackt. Die Einzige, die noch mit mir geredet hat, ist nun beleidigt. Vielleicht sollte ich ihr erklären, was mit mir wirklich los ist.

Den ganzen Sonntag habe ich in meinem Zimmer gesessen und in den Garten geglotzt. Immer wieder habe ich diese Heulanfälle bekommen, wenn ich an dich gedacht habe und wie wir im letzten Jahr das Blumenbeet umgegraben und alles rausgeschmissen und neu gepflanzt hatten. Es ist unser Beet und das wird es auch für immer bleiben. Ich kann mich irgendwie nicht zusammenreißen. Ich muss andauernd heulen! Jetzt gerade auch schon wieder.

Ich glaube, ich bin zur Zeit nicht gut genießbar. Selbst mit meinen Eltern gibt es ständig Zoff. Ich kann machen was ich will: Sie verstehen es einfach nicht. Sie lassen mich nur in Ruhe, wenn ich ihnen erzähle, dass ich für die Schule lerne. Ansonsten ist meine Mum so besorgt um mich, dass es nicht mehr zum Aushalten ist. Ständig fragt sie mich, wie es mir gehe, was in der Schule los sei, ob ich schon einen neuen Trainingspartner habe. Sie ist furchtbar erbost gewesen, als ich ihr gesagt habe, dass ich nicht an der Frühlingsregatta teilnehmen werde. Andauert mault sie rum, ich müsse mehr essen. Ich habe aber keinen Appetit. Ich esse nur das Nötigste.

Mein Vater hat dem Ganzen dann noch einen drauf gesetzt und mir vorgeworfen, dass ich mich hängenlassen würde. Er ermahnt mich ständig, mich wie ein Mann zu benehmen und nicht wie eine Memme. Das Wichtigste sei die Schule und dass ich beim Rudern wieder zu meiner alten Form fände. Ich könnte heulen. Aber das will ich ihm auch wieder nicht zeigen. Ich sage dem gar nichts mehr.

Für morgen früh bin ich wieder mit Sven zum Rudern verabredet. Das Wetter soll einigermaßen gut werden. Solange es nicht regnet, werden wir in jedem Falle fahren. Mal sehen, vielleicht Richtung Norden durch die Schleuse zum Spandauer See. Gottseidank schwimmen keine Eiswürfel mehr auf der Havel. Der Winter ist lang genug gewesen.

Mit Svenni macht Rudern noch am meisten Spaß. Der quatscht nicht so viel. Wahrscheinlich ist der mehr in Gedanken bei seiner Sybille, als dass er Lust hat, sich mit meinen Problemen abzugeben.

Matti, ich weiß manchmal echt nicht mehr weiter. Was würde ich dafür geben, wenn du zurückkämst.

Jetzt fange ich schon wieder an zu heulen. Es tut mir leid.

Dein dich vermissender Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Freitag, den 01. März 2013 geschrieben:

Hallo Alex,

wie gern wäre ich jetzt bei dir, um dich in den Arm zu nehmen. Aber du weißt ja selber, das geht nicht. Ich kann nicht einfach zu dir kommen und dich trösten. Ich muss hier bleiben. Aber ich denke andauernd an dich. Kein Tag vergeht, ohne dass ich mir dein Gesicht vorstelle und deine roten Haare, die du immer wieder in eine Frisur zu bürsten versuchst. Dabei bin ich so in deine wilden Locken verschossen, dass ich sie ständig durchwühlen wollte. Okay, du kannst das überhaupt nicht leiden. Aber egal, ich hatte es trotzdem immer wieder gemacht. Dafür hattest du mich ständig gekitzelt. Das ist unfair, du weißt, dass ich dann wehrlos bin.

Sybille ist eine doofe Kuh. Die denkt nur an sich und ihr Liebesglück. Lass die nur reden. Hör einfach weg. Es bringt nichts, ihr zu widersprechen. Wie ich dich kenne, hast du eh nichts zu ihr gesagt, sondern wieder nur deinen süßen Schmollmund gezogen.

Versuche, etwas netter zu Svenni zu sein. Er ist ein ganz passabler Kerl. Einer, auf den man sich verlassen kann. Okay, er ist kein ganz so guter Ruderer wie ich, aber das musst du ihm nicht immer unter die Nase reiben. Bitte, trainiere weiter mit ihm. Das hilft dir und auch er kann dadurch nur noch besser werden. Ihr passt gut zusammen in ein Boot.

Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, als ich diese blöde Verletzung am Oberschenkel hatte und die eine Regatta nicht mitmachen konnte. Da war Sven für mich eingesprungen. Ich hatte euch am Start zugebrüllt und dann Werner gebeten, mich in meinem Rollstuhl so schnell wie möglich zum Ziel zu karren, was wir auch gerade so mal eben geschafft hatten. Da wart ihr auch schon fast im Ziel. Ihr hattet damals den dritten Platz gemacht. Das war echt Oberspitze, dafür, dass ihr nicht zusammen trainiert hattet. Da hatte ich erkannt, dass ihr ein klasse Team wart. Kein Vergleich zu uns beiden, natürlich. Und hübsch wart ihr auch gewesen und so geil verschwitzt.

Auf dem Weg zum Duschen kamst du kurz bei mir vorbei. Ich erinnere mich noch an diesen Geruch, den du verströmt hattest. Das hatte mich echt angeturnt. Du hattest das bemerkt und nur lächelnd gesagt: „Hey, aber nicht vor all den Leuten!“. Niemand hatte was bemerkt. Die hatten ja auch alle keine Ahnung. *grins*

Wie gern wäre ich nach dem Rennen mit unter die Dusche gekommen!

Schön, dass du dich mit Sven zum Rudern triffst. Überleg dir das mit der Frühlingsregatta nochmal. Du brauchst ein Ziel. Ein Ziel, dass du erreichen kannst. Mit Svenni geht das bestimmt! Wenn nicht mit ihm, mit wem dann?

Was hast du nur mit Anna gemacht? Die ist wirklich eine klasse Frau. Ich rate dir, versaue es dir nicht mit ihr! Du wirst sie bestimmt irgendwann noch mal brauchen. Sei einfach ein bisschen lieb zu ihr. Wie wäre es, wenn du mit ihr morgen ins Kino gehst – oder tanzen? Du musst auch mal wieder rauskommen und Spaß haben!

Naja, und Eltern sind sowieso merkwürdig, wenn ihre Söhne in der Pubertät sind. Mach dir da nichts draus. Das gibt sich bestimmt wieder. Hauptsache, du lässt dich nicht hängen. Das Leben geht doch weiter, oder?

Ach ja, unser Beet. Ich erwarte, dass du es pflegst. Ich kontrolliere das. *zwinker* Deine Mutter war ja ziemlich skeptisch, als wir damit anfingen. Dann hatte es den ganzen Sommer geblüht – bis in den Herbst hinein. Jeden Monat was anderes. Das hatte sie dann doch wohl gehörig beeindruckt.

Ich weiß noch, wie wir beide daneben saßen und stundenlang die Hummeln beim Oralsex beobachteten! Dann stellten wir uns immer vor, was aus uns wohl geworden wäre, wenn wir solche kleinen pummeligen und pelzigen Fliegetiere gewesen wären und um die Wette Honig aus den Blüten gesaugt und im Flug mit unseren Rüsseln unsere Beute ausgetauscht hätten. Deine Mutter hatte nicht selten an unserer Zurechnungsfähigkeit gezweifelt. Wenn die wüsste – sie hatte uns ja nur kichern und lachen gehört. Mehr hatte sie ja nie mitbekommen.

Was wäre, wenn wir da wieder zusammen sitzen könnten und gemeinsam Hummeln beobachten würden! So schade, dass das nicht möglich ist.

Ich vermisse dich und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass du wieder zu deiner alten Fröhlichkeit und Albernheit zurückkommen könntest – außer natürlich, dass wir mal wieder zusammen fröhlich und albern sein könnten.

Bitte, weine nicht, sonst fange ich auch noch an.

Sei stark für dich und für mich – dein Matti

PS: Hier scheint übrigens immer die Sonne, aber es ist scheißschweinekalt!

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Sonntag, den 03. März 2013 geschrieben:

Mein lieber Matti,

du fehlst mir so sehr, das glaubst du gar nicht. Entschuldige, dass ich mich erst heute wieder melde. Ich fühle mich scheiße. Ich habe gestern fast den ganzen Tag nur geheult. Was soll ich nur machen? Ich schaffe es nicht, damit aufzuhören. Kein Wunder, dass sie mich alle meiden.

Es hat eigentlich schon am Freitag angefangen. Ich bin ziemlich früh ins Bett gegangen. Weil meine Eltern mal wieder voll am Nerven waren! Sie verlangen von mir, dass ich nicht so „unausstehlich“ sein solle. Ja, was denken die eigentlich, was ich gerade durchmache? Wenn das so weitergeht, dann, hau ich ihnen vor den Latz, was gerade wirklich in mir vorgeht! Ich halte das nicht mehr aus.

Als ich dann in meinem Bett gelegen und versucht habe, noch ein bisschen was zu lesen, habe ich schnell gemerkt, dass ich mir nur die Buchstaben in dem Buch angeschaut habe. Ich habe nichts von dem begriffen, was ich gelesen habe, obwohl ich jeden Satz mindestens dreimal gelesen habe. Vor lauter Wut habe ich dann das Buch quer durch mein Zimmer geworfen. Scheiße, ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle! Ich glaube, ich habe dann die ganze Nacht nur noch geheult. Ich weiß auch nicht.

Irgendwann bin ich wohl doch eingeschlafen, denn ich bin hochgeschreckt, als der Wecker gestern früh geklingelt hat. Ich bin ja schließlich mit Sven zum Rudern verabredet gewesen.

Mit Mühe und Not habe ich mich aus dem Bett gequält, habe kalt geduscht. Das hat aber offenbar nicht das gebracht, was ich habe erreichen wollen. Meine Mutter hat schon unten am Küchentisch gesessen und mit dem Frühstück auf mich gewartet. Sie hat nur gesagt, wie scheiße ich aussehen würde. Da habe ich sie nur angepflaumt, dass sie mich einfach in Ruhe lassen solle. Natürlich ist sie beleidigt gewesen.

Ich bin dann zum Ruderverein mit dem Bus gefahren, obwohl es so einen fiesen Schnee-Graupel-Niesel-Regen gegeben hat. Aber zu Hause habe ich es nicht ausgehalten. Ich habe das Gesicht meiner Mum nicht mehr ertragen! Ich musste einfach raus. außerdem bin ich ja verabredet gewesen.

Nun, im Verein ist keiner gewesen außer Bernd, unserem Bootswart. Ich habe mich still in die Bootshalle gestellt und gehofft, dass Sven bald kommen würde. Logisch, ist er nicht gekommen. Erstens war ans Rudern bei der schlechten Sicht nicht zu denken und zweitens – du kennst Sven ja – der kommt doch nicht raus, wenn die Sonne nicht scheint und es nicht absolut trocken ist.

Bernd hat versucht, mir irgendein Gespräch an die Backe zu nageln. Aber ich habe ihn einfach ignoriert und auch gar nicht verstanden, was er alles von mir wollte.

Matti, weißt du noch, wie wir uns mal bei Schneetreiben im Bootshaus trafen, dann erst mal den Schnee vom Steg räumten und uns dann mit unserem Kormoran aufs Wasser begaben? Anfangs war es arschkalt. Der Wind zog ohne Ende durch unsere dicken Klamotten. Uns waren fast die Finger abgebrochen, so kalt war es! Nun, mit Handschuhen rudern ist nur was für Mädchen oder für Weichlinge. Das war nichts für uns. Wir wollten Champion werden und dafür hart trainieren, bei jedem Wetter!

Und als wir uns dann schließlich warmgerudert hatten, kam plötzlich die Sonne raus! Wir hatten mitten auf der Havel angehalten und uns erst mal die dicken Mützen von den Köpfen genommen. Das hätten wir besser bleiben lassen sollen: So verschwitzt, wie wir waren, hatten wir uns die totale Grippe eingefangen. Ich war drei Wochen außer Gefecht und du vier! das war vielleicht eine Scheiße!

Nun, gestern habe ich trotzdem erst noch ’ne Stunde gewartet. Klar, Sven hat sich nicht blicken lassen, die alte Frostbeule. Gemeldet hat er sich aber auch nicht. Ich habe ihn auch nicht angerufen, ich habe ja auch mein Handy gar nicht dabei gehabt.

Bernd hat mir dann noch geholfen, einen Einer aufs Wasser zu bringen.

„Willste dis wirklich wagen? Bei dem Wetter? Du musst echt ’nen Knall haben!“, hat er gemosert.

Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass ich trainieren müsse.

„Komm aber nicht so spät wieder, ich bleibe bei dem Scheißwetter nur höchstens drei Stunden, dann bin ich weg.“

Ich habe ihm versprochen, rechtzeitig zurück zu kommen.

Die ganze Zeit habe ich meinen Rhythmus nicht gefunden. Der Schneeregen ist mir ständig ins Gesicht geknallt. Ich bin nicht richtig warm geworden. Nur bis zur Bammelecke habe ich es geschafft. Dort habe ich eine Pause gemacht und mich entschieden, wegen der hohen Wellen und weil mir echt kalt gewesen ist, umzukehren. Bernd ist auch froh gewesen, dass er nach Hause konnte.

Naja, mein Vater hat das überhaupt nicht komisch gefunden, dass ich bei dem Wetter raus bin aufs Wasser. Wer hätte mich retten können, wenn ich gekentert wäre? Mann, ich weiß doch wohl am besten, wie ich ein Skiff wieder mit dem Kiel nach unten drehe, wenn ich da rausfalle. Ich rudere nicht erst seit gestern. Das Wasser wäre zu kalt zum Baden und ich hätte schnell erfrieren können. Blah blah blah blah …

Den ganzen Nachmittag habe ich dann in meinem Zimmer gesessen und nur geheult. Manno, du fehlst mir. Was mache ich nur ohne dich?

Beim Abendbrot hat mir mein Vater eine gescheuert, weil ich ständig die Nase hochgezogen habe. Das hat wieder dazu geführt, dass meine Eltern sich gestritten haben, über die Erziehung und dass man sein Kind nicht schlage und dass man mir mit meinen Problemen doch helfen müsse, nur nicht, indem man mir eine knalle.

Ich bin dann irgendwann nach oben in mein Zimmer gegangen und habe Löcher in die Luft gestarrt.

Irgendwann ist dann mein Vater gekommen und wollte sich bei mir entschuldigen. Ich habe aber gerade nicht mit ihm sprechen können, da ich schon wieder eine meiner Heulattacken gehabt habe. Scheiße, ich habe ihn angebrüllt, er solle mich in Ruhe lassen und die Tür von außen zu machen.

Heute früh bin ich mit Fieber aufgewacht. Das hat schon mitten in der Nacht angefangen mit Schweißausbrüchen und Zittern ohne Ende. Mein Bett ist so nass geworden, als hätte ich eingemacht.

Mum hat mir dann geholfen, das Bett neu zu beziehen und versorgt mich den ganzen Tag schon mit Zwieback und Tee. Zwischendurch haben wir das Bett nochmal neu bezogen. Sie hat die ganze Zeit kaum was gesagt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich weiß gar nicht, was ich mit ihr bereden soll. Über Fieber und Kranksein ganz bestimmt nicht!

Scheiße. Wie schön wäre es jetzt, wenn du einfach nur herkommen könntest und einfach nur da wärest. Ich heule auch heute schon wieder den ganzen Tag. Gottseidank kann meine Mum meine Tränen nicht von dem Schweiß in meinem Gesicht unterscheiden. Und rote Augen hat man ja auch, wenn man krank ist.

Ich weiß nicht, ob ich mich doch noch zu der Frühlingsregatta anmelde. Auf Sven ist ja irgendwie kein Verlass. Vielleicht sattle ich um auf Einer. Was meinst du?

Wenn doch endlich wieder Frühling wär. Dieses Wetter macht mich zusätzlich fertig. Ich bin dazu verdammt, drinnen zu bleiben. Jetzt erst recht. Zu gern würde ich mich vor unser Beet setzen und den Krokussen und Osterglocken beim Wachsen zusehen. Und dann würde ich mir vorstellen, wie du neben mir säßest. Und vielleicht, wenn uns keiner beobachtet, würde ich dir einen Kuss geben und du mir auch einen. Ganz vorsichtig, wie wir es immer gemacht hatten, wenn wir draußen waren. Ich wünschte mir so sehr, dass du dann mit deiner Hand meinen Rücken streichelst und ich deinen. Wie gerne würde ich dich wieder mal kitzeln bis du keine Luft mehr kriegst vor Lachen! Sorry, ich weiß, du konntest das noch nie leiden, aber es reizt mich immer noch.

Ich vermisse dich jeden Tag mehr.

Dein kranker dich liebender Alex *schnief*

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Montag, den 04. März 2013 geschrieben:

Ach Alex!

Was machst du nur für Sachen? Als ich geschrieben habe, du solltest wieder trainieren, habe ich nicht gemeint, dass du dich kaputt machen sollst. Du und dein Dickschädel!

Ja, du sagst es: Wie soll man dich mögen, wenn du so scheiße drauf bist? Was hält dich denn eigentlich davon ab, mal etwas positiver und nach vorne zu schauen? Sag jetzt bitte nicht, die Erinnerung an mich und unsere Liebe, seien schuld daran.

Schuld ist nur einer und das bist du ganz alleine. Komm raus aus deinem Schneckenhaus.

Wie, glaubst du, können dich die anderen verstehen, wenn du ihnen nicht mitteilst, wie du dich fühlst, sag ihnen, was du durchmachst, was uns beide verbunden hat, dass wir beide mehr als nur gute Freunde gewesen sind. Okay, vielleicht posaunst du es nicht gleich allen lauthals aus in der Schule oder im Verein. Vielleicht sagst du es Anna, die wird dich bestimmt verstehen. Die ist nicht dumm. Was ist mit deinen Eltern? Was hält dich davon ab, es ihnen zu sagen? Deiner Mutter zuerst? Sie kann dir doch helfen. Ich weiß, dass sie dich liebt und niemals aufgeben wird. Glaub mir. Sei dir sicher, sie kann Tränen von Schweiß unterscheiden. Wer denkst du kennt dich besser als sie?

Alex, bitte versprich mir, dass du was unternimmst mit all unseren Freunden und geh endlich mit Anna mal ins Kino oder einen Kakao trinken. Du musst raus, sonst wirst du noch blöde. Damit tust du weder dir noch mir einen Gefallen!

Alex, mach was aus deinem Leben. Werde erst mal wieder gesund! Ich wollte so sehr, dir helfen zu können.

Ich vermisse dich auch – dein Matti

 

 

Alexander<alexander@***.de> hat am Donnerstag, den 07. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

heute bin ich wieder in der Schule gewesen. Mann, was habe ich die letzten Tage geschwitzt! Ich wusste gar nicht, wie viel Bettwäsche wir haben.

Ich weiß, es ist eine meiner blödesten Ideen gewesen, bei dem Wetter raus aufs Wasser zu gehen. Unser Trainer Karl hat vorhin angerufen und mich zur Sau deswegen gemacht. Bernd hat wohl einen Einlauf vom Vorsitzenden bekommen, weil er mir auch noch geholfen hat, den Skiff raus zu tragen.

Was hätte ich machen sollen, wo ich schon mal am Bootshaus war? Nach Hause wollte ich auf gar keinen Fall. Mal ehrlich: Wenn du dabei gewesen wärst, hätten wir das zusammen gemacht. Scheißwetter hatte uns nie aufgehalten.

Positiv soll ich in die Zukunft schauen? Du hast gut reden. Glaubst du, ich könnte meine Gefühle so einfach abschalten? Oder umschalten, wie man den Radiosender wechselt? Nein, Matti, dazu fehlst du mir einfach zu sehr. Dazu muss ich einfach zu oft an dich denken.

Meinst du wirklich, ich sollte Anna von uns erzählen? Meiner Mum, okay. Aber Anna? Nun, sie gehört sicherlich nicht zu den Tratschen in der Schule. Sie kann am ehesten ein Geheimnis für sich behalten. Nur, warum sollte ich es ihr sagen? Meinst du, sie würde mir helfen, über meinen Zustand hinweg zu kommen?

Was soll ich ihr überhaupt erzählen? Wie wir uns vor einem halben Jahr noch in den Sommerferien an diesem einsamen Havelstrand, zu dem wir hin gerudert waren, unsere Liebe und unsere Gefühle zueinander gestanden hatten? Was für ein Befreiungsschlag das für uns war? Wie wir uns dann langsam erst die Shirts und die Schuhe und dann ganz schnell auch die Hosen ausgezogen und die ganze Zeit geknutscht hatten? Wie wir uns im Sand gewälzt hatten, bis wir paniert wie Schnitzel waren? Und als dann plötzlich dieser Typ mit dem Dackel ankam und schimpfte, wir sollten uns was schämen, er würde die Polizei rufen. Wir hatten ihn erst blöd angeglotzt und dann einen Lachflash bekommen? Wie der dann kopfschüttelnd und fluchend abgehauen war und der dumme Hund noch zu uns schnüffeln kam und er ihn auch durch lautes und ärgerliches Rufen nicht von uns weggekriegt hatte? Wie wir dann nackt in die Havel rannten und uns gegenseitig nass gespritzt hatten?

Ich weiß es noch, als wäre es gestern, wie ich dann am Abend bei dir zu Hause das erste Mal deinen Schwanz in den Mund nahm und du meinen. Oh verdammt, was hatte ich für einen Orgasmus, was hatte ich dir für eine Ladung ins Gesicht geschleudert.

Scheiße, du fehlst mir. Deine Berührungen fehlen mir, deine Wärme, die du immer verströmt hattest und dein typischer Geruch! Bei dir konnte ich mich so richtig fallen lassen. Ich hatte dir unendlich vertraut und tu es immer noch.

Vielleicht hast du recht: Ich muss einfach mal mit jemandem darüber reden. Ich gehe sonst noch kaputt.

Ich fange schon wieder an zu heulen. Wie soll das nur enden?

Anna scheint mir nicht mehr wirklich böse zu sein. Sie hat mich gefragt, ob ich wieder auf dem Damm sei. Sie hat es wohl wirklich wissen wollen. Sie habe mich vermisst und gefragt, ob wir heute oder morgen nach der Schule den Stoff der letzten Tage mal zusammen durchgehen wollten. „Ganz ohne Hintergedanken, Alex“, hat sie breit lächelnd gesagt.

Wir treffen uns morgen bei mir. Was meinst du: Soll ich ihr was erzählen? Oder erst mal nur meiner Mutter? Ich bin mir unsicher.

Schreib schnell bitte: Ich brauche deinen Rat.

Ganz lieben Gruß,

dein ungeduldiger Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Donnerstag, den 07. März 2013 geschrieben:

Mensch Alex, mein Lieber!

Was bin ich froh, dass du wieder gesund bist!

Sehr schön, dass du dich mit Anna mal triffst. Ja, du musst es ihr unbedingt sagen. Du wirst sehen, wie es dir hilft, mit ihr darüber zu reden. Sie wird dann auch deine Probleme verstehen, die dich plagen, seit ich nicht mehr da bin. Mach ihr Ingwertee, den mag sie besonders. Damit hast du sie auf deiner Seite. Ich glaube, sie will schon eine Beziehung mit dir. Das war nie zu übersehen. Ich glaube aber auch, dass sie nicht nur auf Sex aus ist oder dich nur angräbt, weil die anderen Mädels auch fast alle einen Freund haben. Sie mag dich wirklich.

Erzähl ihr einfach nur, dass wir ein Liebespaar waren. Dass wir auch Sex hatten, musst du ihr nicht auf die Nase binden. Das wird sie sich denken können.

Und, soll ich dir was sagen: Du bist ein feiner Kerl. Ein bisschen zu traurig im Moment und durch den Wind vielleicht. Du wirst sehen, das gibt sich mit der Zeit. Anna hat die Kraft, dich etwas aufzumuntern.

Ich drücke dir die Daumen.

Sei dir sicher: Ich bin nicht ganz weg. Ich werde immer bei dir sein, auf ewig.

Ich küsse dich – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de hat am Freitag, den 08. März 2013 geschrieben:

Super Matti.

Danke, dass du mir so schnell geantwortet hast. Anna kommt gleich, das Teewasser ist schon heiß. Ich bin ganz aufgeregt, freue mich total. Anna ist heute in der Schule irgendwie so nett gewesen. Vielleicht freut sie sich auch? Hoffentlich enttäusche ich sie nachher nicht, wenn ich beichte.

Matti, ich küsse dich auch,

dein dich immer liebender Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Freitag, den 08. März 2013 geschrieben:

Ich denke an dich – Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Sonntag, den 10. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

du wartest sicherlich schon ganz sehnsüchtig auf meine Nachricht.

Es ist ein tolles Wochenende gewesen.

Das Gespräch mit Anna ist super gelaufen. Du hast Recht gehabt. Ich habe einfach mal mit jemandem reden müssen: mit Anna!

Weißt du, wie sie reagiert hat, als ich so auf meinem Schreibtischstuhl gesessen habe und sie mir gegenüber in meinem Kuschelsofa? Nein, gekuschelt haben wir nicht. Das geht nur mit dir in diesem Sofa!

Ich habe also auf meinem Stuhl gesessen und mit den Händen an den Ärmeln meines Sweatshirts gefummelt. Ich habe einfach nicht gewusst, wie ich anfangen sollte.

„Mensch, Alex“, hat sie da plötzlich gesagt, „Alex, was ist bloß los mit dir? Ich verstehe dich ja, aber irgendwie solltest du mal mit jemandem reden. Mit mir zum Beispiel. Stattdessen leierst du dir die Ärmel deines Pullis aus.“

„Anna, du bist meine beste Freundin – die einzige Freundin.“ Sie hat an ihrem Ingwertee genippt. (Das ist eine Superidee von dir gewesen, Matti.)

Dann hat sie wissen wollen: „Du bist so traurig. Ist es wegen Matti?“

Als sie deinen Namen genannt hat, sind mir ein paar Tränen über die Wangen gelaufen. Ich habe nur genickt.

„Da ist aber noch mehr, ich meine, wir vermissen ihn irgendwie alle. Jeder auf seine Weise. Aber was du seitdem veranstaltest, ist nicht mehr normal. Also, willst du mit mir reden?“

Wieder habe ich nur genickt und nach Worten gerungen.

„Nun, Alex, was ist los? Du musst anfangen. Ich kann dir die Worte nicht von der Zunge holen. Denn das willst du ja wohl ganz offensichtlich nicht.“ Sie hat mich liebevoll angelächelt.

Da ist es ganz von alleine aus mir raus gekommen: „Wir haben uns geliebt. Ich vermisse ihn so sehr, dass ich kaum noch denken kann. Alles was ich tue, erinnert mich daran, wie wir es zusammen gemacht haben. Alles was ich rieche, riecht nach ihm. Jeder, den ich ansehe, hat seine Augen, seine Nase, seine Lippen. Alles was ich esse, schmeckt nach ihm. Ich werde noch verrückt.“

Ich habe die Nase hoch gezogen und Anna ängstlich angeblickt. Sie hat eine ganze Weile nur gelächelt.

Dann hat sie angefangen: „Das habe ich mir fast gedacht, Alex. Du bist seitdem so anders, so niedergeschlagen, so traurig. Überhaupt nicht mehr der Kasper von früher.

In den letzten Tagen ist mir klar geworden: Da war mehr zwischen euch, als nur das Rumalbern, euer Sport und eure Jungsfreundschaft. Im Rückblick sehe ich, dass ihr euch so gut verstellt hattet, dass es keiner merkte. Nach den letzten Sommerferien hatte sich euer Umgang miteinander verändert.

Jetzt erst habe ich begriffen, wieso ihr euch immer so komisch angegrinst hattet. Ich war so blind. Es lag auf der Hand: Ihr seid schwul. Deswegen bist du auch so distanziert zu mir.

Ich dachte erst, es liegt an mir. Aber nein, es liegt an dir.“ Anna hat kurz aufgelacht.

„Und was nun?“, habe ich sie leise gefragt. „Kannst du mich jetzt noch leiden? Wo du jetzt weißt, dass ich schwul bin und dir nie das geben kann, was du vielleicht willst? Bist du jetzt enttäuscht?“

„Nun mach mal halblang! Du bist immer noch du. Du warst immer so. Ich habe es nur erst jetzt begriffen. Ich mag dich, habe dich immer gemocht. Wieso hätte ich sonst ein Auge auf dich werfen sollen? Weil du ein Arschloch bist? Oh, entschuldige, ich wollte nicht …“

„Ist schon gut. Was wird nun weiter?“

Anna hat kurz überlegt und dann fröhlich hervorgestoßen: „Kommste morgen Abend mit in die Disse?“

Ich habe sie wohl sehr erstaunt angeguckt, denn sie hat nur gemeint: „Jetzt glotz nicht so! Ja oder ja? Du musst mal raus, dich amüsieren. Mit mir und für Matti!“

Sie hat nicht gerade ausgesehen als würde sie eine andere Antwort als meine Zustimmung dulden. Ich habe schließlich genickt.

Es ist dann auch wirklich super gewesen in der Disko gestern. Ich habe sogar mit Anna eng umschlungen getanzt. Es hat sich einfach super angefühlt. Seit du weg bist, habe ich niemanden mehr berührt. Die anderen, die noch mit waren, haben wohl ziemlich gestaunt, wie gut ich drauf gewesen bin.

Nur einmal bin ich etwas betrübt gewesen, als sie unser Lied gespielt haben.

Da habe ich einfach nur mitten auf der Tanzfläche gestanden und mit geschlossenen Augen mitgesungen. Weißt du noch?

Es wäre so schön gewesen, wenn du mit dabei gewesen wärest. Ich hätte so gern mit dir dazu getanzt, ganz eng, dich umarmt und … Ich habe so vor mich hin geträumt und gar nicht gemerkt, dass unser Lied schon längst vorbei gewesen ist.

Anna hat mich dann irgendwann von der Tanzfläche geholt, und wir haben was getrunken. Sie ist echt eine ganz Liebe.

Trotzdem vermisse ich dich ohne Ende. Mir kommen gleich wieder die Tränen, obwohl ich Anna versprochen habe, stark zu sein.

Tscha, der Winter will wohl doch noch nicht aufhören. Zu Ostern soll es wieder richtig viel Schnee geben.

Gehab dich wohl und fühl dich umarmt,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Sonntag, den 10. März 2013 geschrieben:

Lieber Alex,

ich freue mich, dass du endlich mal raus gekommen bist. Das war doch kein Zustand mehr mit dir. Du musst einfach weiter leben.

Stolz bin ich auf dich, dass du mit Anna gesprochen hast. Ich wusste, dass sie dich verstehen würde. Anna ist echt die beste Freundin, die man sich wünschen kann.

Lass dich bitte nicht wieder hängen, sei stark.

Und wenn für Ostern Schnee angesagt ist, dann pass auf, dass du die Eier schön bunt anmalst, bevor du sie versteckst.

Dein dich ewig liebender Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Donnerstag, den 14. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

bitte sei mir nicht böse, weil ich dir jetzt erst wieder schreibe. Die Woche war bisher ziemlich aufregend.

Wir haben am Montag einen neuen Mitschüler bekommen: Jérôme. Mit Accent Aigu und Accent Circonflexe, wie er stolz verlautbaren gelassen hat. Seine Mutter ist Französin, sein Vater Deutscher. Der hat jetzt eine ziemlich hohe Position bei einem französischen Chemiekonzern am Potsdamer Platz bekommen. Deswegen sind sie nach Berlin gezogen. Vorher haben sie in Straßburg gewohnt. „ßtrassbuhr“, wie Jérôme es genannt hat. Überhaupt spricht er ein voll niedliches Deutsch. Grammatisch absolut korrekt, aber immer wieder mit ein paar Nasallauten mehr als bei uns üblich.

Matti, der ist echt eine Sahneschnitte: dunkle lockige Haare, dunkelbraune Augen und eine unglaubliche Stimme. Als er vorne stand und sich vorgestellt hat, habe ich meine Augen gar nicht von ihm lassen können. Jetzt habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Du bist kaum zwei Monate weg, und schon vergucke ich mich in einen anderen …

Keine Angst, der ist bestimmt nicht schwul. Das wäre ein zu großer Zufall. Außerdem ist der jetzt ganz dicke mit Anna. Der Berger hat Jérôme nämlich neben Anna gesetzt und sie gebeten, ihm bei der Aufarbeitung des Schulstoffes zu helfen.

Ausgerechnet Anna! Wo ich mich doch gerade mit ihr so gut verstehe. Nun sitzen die beiden schräg hinter mir. So kann ich ihn nicht gut beobachten.

Gestern und vorgestern haben sich die beiden nun nach der Schule getroffen. Ich bin schon ein bisschen beleidigt gewesen, weil ich mich eigentlich mal wieder mit Anna treffen wollte. Zudem hängen die beiden oft zusammen auf dem Schulhof ab und quatschen. Immer, wenn ich dazu gekommen bin sind sie ganz still geworden und haben ein neues Thema angefangen. Ob sich da was anbahnt zwischen den beiden?

Mist, ich habe mich sogar mit Anna ein bisschen gestritten deswegen. Ich glaube, ich habe mich ihr gegenüber in Jérômes Beisein scheiße benommen. Ich hätte sie nicht so anpflaumen dürfen.

Heute hat mich Anna allerdings gefragt, ob ich nicht morgen Abend mit zu ihr kommen wolle. Immerhin wollen sie Deutsch und Englisch durchgehen. Da sei ich ja wohl viel besser als Anna und könne doch eine große Hilfe sein.

Ich bin echt gespannt, wie das morgen wird mit uns dreien. Ich bin aufgeregt, hoffe, dass ich mich nicht blamiere. Oder gar wieder anfange zu heulen.

Ich denke an dich und werde dich immer lieben,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Donnerstag, den 14. März 2013 geschrieben:

Mein lieber Alex!

Sei dir ganz sicher, dass ich dir keine Vorwürfe machen werde, wenn du dich in einen anderen süßen Jungen verguckst. Im Gegenteil! Du brauchst sogar mal jemanden, mit dem du zärtlich sein kannst, du olle Schmusekatze. Wie sollst du es in Zukunft aushalten, wenn du mit niemandem kuschelst?

Ich erinnere mich noch ganz genau, wie wir in den Herbstferien wegen des Dauerregens das Haus nicht verlassen hatten und die ganze Zeit – fast drei Tage hintereinander – nur in deinem Bett oder auf deinem Sofa lagen und geschmust und gekuschelt hatten. Deine Eltern waren damals nicht in Berlin.

Ich rate dir: Finde heraus, ob Jérôme auf Mädels steht oder vielleicht doch auf Jungs. Und wenn er auf Jungs steht, schmeiß dich an ihn ran! Sympathisch scheint er dir ja schon mal zu sein. So, wie du auf ihn reagierst.

Geh morgen ganz locker zu Anna und dann lernt mal schön fleißig. Ich freue mich auf deinen Bericht.

Ich küsse dich und kuschel mich an dich – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Samstag, den 16. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

gestern ist echt ein merkwürdiger Tag gewesen. In der großen Pause habe ich mal wieder allein an unserer Lieblingsstelle im Schulhof gestanden. Weißt du noch: unter der Kastanie, die im letzten Sommer wegen dieser blöden Motten ganz braune Blätter hatte? Von dort habe ich den Hof beobachtet. Anna hat die ganze Zeit mit ihren Mädels gestanden und gequatscht.

Dann sind da noch die üblichen Jungsgruppen gewesen. Bei der Clique um Holger und Svenni hat die ganze Zeit Jérôme gestanden. Irgendwie ist das komisch gewesen.

Ich habe ihn die ganze Zeit beobachtet. Er hat wieder seine dunklen Stiefel und den langen Mantel angehabt. Um den Hals hat er sich seinen schwarzen Schal gebunden. Ein bisschen finster sieht er in diesem Aufzug schon irgendwie immer aus. Dazu noch seine fast schwarzen Haare und die dunklen Augen, die immer irgendwie neugierig wirken.

Ich werde mir auch mehr schwarze Sachen zulegen. Das sieht cool aus und passt jetzt auch irgendwie besser zu mir als die bunten Klamotten.

Jérôme hat die ganze Zeit seine Hände in den Manteltaschen vergraben gehabt. Er trägt wohl nie Handschuhe. Ein paar Male hat er zu mir rüber geguckt. Ich habe dann immer schnell woanders hin geschaut. Und wenn ich dann wieder zu ihm geblickt habe, hat er seinen Kopf wieder weggedreht. So ist das die ganze Pause gegangen.

Mittags hat er sich dann in der Mensa einfach zu mir gesetzt.

„Darf ich?“, hat er gefragt und hat eigentlich schon mir gegenüber gesessen.

„Ja, klar, warum nicht“, habe ich geantwortet.

„Du bist wohl gern allein? Wenn ich dich störe, gehe ich wieder.“

„Nein, Jérôme, bleib ruhig hier. Gemeinsam essen ist schon irgendwie besser.“

„Naja, diesen Fraß hier Essen zu nennen, ist schon reichlich übertrieben. In Frankreich kriegen das nur die Hunde, nicht mal die Schweine!“

„Ist das Schulessen in Frankreich besser?“

„Auf unserem Lycée hat es jedenfalls wesentlich besseres Essen gegeben. – Du, Alex, wegen nachher bei Anna: Ich habe sie gefragt, ob wir uns nicht mal zu dritt zum Lernen treffen könnten. Das ist meine Idee gewesen. Ich hoffe, du hast nichts dagegen.“

Natürlich habe ich überhaupt nichts dagegen!

Dann hat er mich mit seinen tiefen Augen angesehen und gefragt: „Du, läuft da was zwischen dir und Anna? Ich meine, du bist manchmal so gereizt, wenn ich mit ihr auf dem Hof rumstehe. Ich will mich auf keinen Fall zwischen euch drängen.“

Och, ist der süß! „Nein, Jérôme. Wir sind Freunde, kein Paar. Es ist okay. Ich bin zur Zeit ein bisschen mies drauf, weißt du. Das hat nichts mit dir zu tun.“

„Ich weiß. Ist bestimmt wegen Matthias. Anna hat mir erzählt.“

Oh Scheiße, habe ich gedacht, WAS hat Anna bloß erzählt?

Wir haben dann noch ein bisschen gequatscht. Jérôme ist wirklich ein Netter. Und: Er hat keine Freundin, auch in Straßburg hat er keine gehabt.

Am Abend haben wir dann bei Anna über alles Mögliche für die Deutschklausur gesprochen und mit Annas Computer im Internet nach Interpretationen gesucht. Weil Anna nur zwei Stühle in ihrem Zimmer hat, haben Jérôme und ich auf einem gesessen. Da haben wir natürlich die ganze Zeit berührt. Ihm hat das offenbar nichts ausgemacht. Mir ist das irgendwie unangenehm gewesen. Aber was hätte ich machen sollen?

Wir haben danach nicht mehr viel gequatscht. Weil ich ihm gesagt habe, dass ich Französisch auch sehr mag, hat er vorgeschlagen, dass wir morgen ins Cinéma Paris gehen sollten. Da würde gerade eine François-Ozon-Reihe gezeigt. Morgen würde Le Temps qui reste in französischer Originalfassung gezeigt werden.

Matti, du wirst es nicht glauben: Ich habe zugesagt und freue mich sogar, mit ihm zusammen ins Kino zu gehen. Anna stehe nicht so auf Französisch hat sie gesagt und uns angegrinst. Sie will nicht mitkommen. Ich werde also mit Jérôme morgen ganz alleine ins Kino gehen.

Oh jeh, jetzt habe ich dich mal wieder ordentlich zu getextet. Du hast es schließlich wissen wollen *lol*

Ich liebe dich immer noch wie verrückt. Ich will, dass du das weißt,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Samstag, den 16. März 2013 geschrieben:

Mein lieber Alex!

Endlich kommst du mal ein bisschen aus dir raus. Ich finde, du machst echt Fortschritte.

Wovor hast du noch Angst, wenn Jérôme dich berührt? Wenn er nicht zurückzuckt, hey, vielleicht mag er es ja sogar. Vielleicht legt er es auch darauf an. Ich würde mich wirklich so freuen, wenn du wieder etwas glücklicher wärest. Dieses Rumheulen ständig kann’s doch nicht sein.

Ich glaube auch nicht, dass Anna ihm irgendwas Genaueres von uns erzählt hat. Wie gesagt, sie ist keine Tratschtante und sie hat Feingefühl. Sie wird es schon dir überlassen, ihm mehr zu erzählen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß im Kino morgen. Amüsier dich. Bitte!

Du weißt doch ganz bestimmt, dass ich in jedem Falle hinter dir stehe? Gerade, wenn du dich wieder neu verliebst?

In Liebe – dein dich immer unterstützender Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Sonntag, den 17. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

gestern Abend bin ich mit Jérôme im Cinéma Paris in DER Maison de France gewesen. Es heiße LA Maison de France, wie er mich ganz lieb aufgeklärt hat.

Le Temps qui reste ist ein sehr nachdenklicher Film über einen Schwulen, der unheilbar an Krebs erkrankt ist und sich nun in die Einsamkeit zurückzieht. Die wunderbare Jeanne Moreau hat seine Großmutter gespielt, die er als einzige einweiht.

Ich habe viel mit meinen Tränen gekämpft. Vielleicht hätten wir uns besser eine Komödie aussuchen sollen.

Jérôme hat während des Films meine Hand greifen wollen. Ich hab dummerweise meine zurückgezogen. Matti, du bist der, den ich liebe. Auch wenn ich weiß, dass du weit weg bist. Es fühlt sich schlecht an. Obwohl ich es doch eigentlich will. Ich will mit ihm Händchenhalten, will seine Nähe. Es hat sich so gut angefühlt, so neben ihm zu sitzen

Mist, Jérôme ist ganz unsicher gewesen. Wir sind gleich nach dem Film mit der U-Bahn und dem Bus nach Hause gefahren. Er wohnt ja nicht so weit weg von mir. Die ganze Fahrt über haben wir uns angeschwiegen.

Ich habe immer nur uns gesehen, wie wir so oft abends mit dem Bus stundenlang nach Hause fuhren und nicht wagten, uns zu küssen, obwohl wir immer wieder dazu ansetzten. Immer guckte sich irgendwer nach uns um. So hatten wir uns nur die ganze Zeit angelächelt wie Honigkuchenpferde.

Alleine zu Hause habe ich in meinem Bett gelegen und lange an Jérôme gedacht. Eigentlich habe ich ihn mit dir verglichen. Er hat genau so dunkle Augen wie du. Ich könnte ihm stundenlang hineinschauen. Vielleicht würde ich auch in ihnen ertrinken, wie in deinen Augen? Ich habe mich aber noch nicht getraut, ihn lang genug anzuschauen. Dann seine dunklen Haare, fast so wie deine. Wie gerne würde ich darin herum wuscheln, nur um zu spüren, ob sie sich wie deine anfühlen. Ob er das mag?

Entschuldige Matti, ich habe wieder fast die ganze Nacht geheult. Einmal natürlich, weil du nicht bei mir bist und dann auch, weil ich Jérôme abgewiesen habe.

Ich hab’s verkackt, Matti! Der will doch jetzt bestimmt nichts mehr von mir wissen.

Wenn du damals im Sommer an unserem Strand meine Hand nicht genommen hättest, wäre ich wahrscheinlich auch sehr verunsichert gewesen. Es ist gottseidank anders gekommen.

Heute bleibe ich im Bett. Auch wenn meine Mum ständig nach mir ruft weil sie irgendwas wissen will oder auch will, dass ich mal wieder was esse. Aber ich habe keinen Appetit.

Ach, Scheiße, ich vermisse dich. Ich will wieder an den Strand mit dir und schmusen. Warum kannst du nicht bei mir sein?

Ich bin traurig, weil du weg bist. Ich liebe dich,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Sonntag, den 17. März 2013 geschrieben:

Mensch Alex!

Was bist du für ein Idiot! Du bist schon so nah dran gewesen. So nah dran an deinem Glück! Jérôme ist jetzt bestimmt unsicher, was du wohl von ihm denkst. Ich hatte auch eine Heidenangst, dass du mich irgendwie hättest ablehnen können, wenn ich dir gesagt hätte, dass ich für dich mehr empfunden hatte, als nur unsere Freundschaft.

Sei nicht so abweisend zu ihm. Denk nicht so sehr an mich und über uns nach. Du weißt genau, so schnell kommen wir nicht wieder zusammen. In der Zwischenzeit musst du dein Glück ohne mich finden. Dann finde ich auch meins, glaub mir. Mit mir am Strand kuscheln und vielleicht wieder baden zu gehen – das ist wohl nicht dein Ernst jetzt, wo noch Schnee liegt. *lächel*

Und nein, du hast es bestimmt nicht verkackt. Auch wenn er jetzt unsicher ist: Wenn ihm was an dir liegt, dann wird er einen Versuch von dir nicht ablehnen, dich ihm zu nähern. Du bist jetzt dran, du musst den nächsten Schritt tun.

Ich hätte es mit dir bestimmt auch nochmal versucht. Ich habe sogar tatsächlich mehr als nur einen Anlauf gebraucht. Weißt du noch, wie wir im Kino waren und du geheult hattest wie ein Schlosshund? Da hatte ich auch deine Hand genommen und ganz sanft gestreichelt. Du hattest dich tatsächlich beruhigt. Der Film war aber auch traurig. Draußen vor dem Kino hatte ich dich umarmt. Eigentlich hatte ich dich da küssen wollen, aber du hattest mich nur komisch angeguckt und deinen Kopf zurückgezogen. Damals hatte ich es dabei belassen, mir allerdings schon meine Gedanken gemacht. Beruhigt war ich erst gewesen, als du am Schultag danach kein bisschen anders zu mir gewesen warst als vorher.

Warte nicht, bis wir uns wieder sehen können. Lebe dein Leben jetzt!

Dein dich auf ewig liebender Matti – egal was kommen wird.

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Mittwoch, den 20. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

es baut mich immer wieder auf, von dir zu lesen. Jérôme ist seit dem Wochenende sehr distanziert mir gegenüber gewesen. Nun, ich kann es ihm nicht wirklich verdenken. Ich weiß gerade nicht, was ich machen kann. Er schaut immer so verärgert zu mir rüber. Oder sind es enttäuschte Blicke? Ich weiß es nicht.

Anna hat gleich am Montagmorgen von mir wissen wollen, wie unser Kinoabend gewesen wäre. Ich habe ihr nur gesagt, dass der Film toll gewesen wäre und wir danach gemeinsam nach Hause gefahren wären – also ich zu mir, er zu ihm. Sie hat nicht weiter gefragt. Ich hätte ihr eh nicht mehr erzählen wollen.

Heute hat sie mich dann gefragt, was eigentlich mit uns los wäre.

„Was soll schon sein?“, fragte ich zurück. „Es ist nichts.“

„Alex, irgendwas ist zwischen euch. Ihr seid so merkwürdig. Ich redet kein einziges Wort miteinander. Habt ihr euch gestritten? Typisch Männer!“

„Was heißt hier typisch Männer? Es ist nichts.“

„Ihr kriegt manchmal einfach überhaupt nix gebacken! Ich war gestern bei Jérôme zum Lernen und da habe ich ihn auch nach eurem Kinoabend gefragt.“

„Du hast WAS? Misch dich bitte nicht in mein Leben ein. Ich habe es so schon schwer genug. Das weißt du genau. Ich dachte, du bist meine Freundin.“

„Mensch Alex, gerade WEIL ich deine Freundin bin, mache ich mir Sorgen. Ich habe Jérôme nur gefragt, weil er so abwesend und nachdenklich gewesen ist gestern. Und da hat er mir erzählt, dass du dich irgendwie komisch verhalten hättest, irgendwie distanziert, als ob dich was an ihm gestört hätte. Er wollte nun von mir wissen, was das sein könnte.“

„Und, was hast du ihm gesagt? Du hast ihm doch hoffentlich nicht auf die Nase gebunden, dass ich …“

„Nein, Alex, was denkst du von mir?“, hat sie mich unterbrochen. „DAS musst du ihm schon selbst erzählen. Er hat mich ganz schön nach dir ausfragen wollen. Aber ich habe ihm nur gesagt, er müsse dich dazu selber ausfragen. Ich bin nicht eure Morgenpost!“

„Danke, Anna“; ist alles gewesen, was ich zu ihr gesagt habe.

Dann hat sie mich gefragt, ob wir wieder zu ihr kommen wollten zum Lernen und vielleicht ein bisschen quatschen bei Ingwertee und „von mir aus auch Kakao“. Woher hat sie das mit dem Kakao? Okay, die Aussicht auf schönen heißen Kakao und mit Jérôme in einem Raum sitzen zu können, hat mich zustimmen lassen.

Ja, ich freue mich sogar. Vielleicht kann ich bei ihm wieder was gutmachen?

Egal, wie es wird, ich vermisse dich so sehr!

Dein dich liebender Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Mittwoch, den 20. März 2013 geschrieben:

Mein lieber Alex,

das hast du fein hinbekommen. Ich habe dir doch gesagt, auf Anna ist Verlass. Sie ist eine echte Freundin. Sie hat ein Gespür für zwischenmenschliche Dinge. Ich bin mir sicher, sie weiß genau, was zwischen euch gerade abgeht *grins* – Sie weiß mit Sicherheit von Jérôme, dass er nicht auf Mädels steht. So was kriegt Anna schnell raus! Die geht mit offenen Augen durch die Welt. Und du kannst manchmal echt ein harter Knochen sein. Du bist jetzt dran. Vergeige das jetzt nicht wieder, mein Lieber!

Ich liebe und vermisse dich auch – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Freitag, den 22. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

du hast Recht. Das weiß ich ja. Es ist nur verdammt noch mal nicht einfach. Ich liebe dich über alles. Es ist schwer, mich so weit zu lösen, dass ich mich auf Jérôme einlassen kann. Glaube mir: Ich würde so gerne! Er ist echt ein Süßer. Mit ihm könnte ich mir vorstellen, zusammen zu sein.

Ich habe aber Angst, dass ich ihn nur als Ersatz für dich haben wollte. Das hat er nicht verdient. Ich will ihn auf keinen Fall verarschen. Dich so einfach zu vergessen – also unsere Liebe so einfach gegen eine neue mit Jérôme einzutauschen – das fällt mir sehr schwer.

Gestern habe ich Jérôme wieder bei Anna getroffen. Wir haben wieder zuerst was für die Schule gemacht. Dann ist Anna aufgestanden und hat gesagt, sie müsse mal zum Klo und dann noch kurz telefonieren. Wir sollten aber hier warten, dann könnten wir noch ein bisschen quatschen danach.

So haben wir alleine in ihrem Zimmer gesessen und uns lange nur angeschwiegen. Jérôme hat auf Annas Sofa gesessen und ich auf Annas Schreibtischstuhl. Wir haben die ganze Zeit so weit wie möglich voneinander entfernt gesessen und uns nur verstohlen angeglotzt. Gefühlte Stunden haben wir über belangloses Zeug geredet.

Dann habe ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und ihn gefragt: „Was machst du Ostern?“

„Wir fliegen am Sonntag zu meiner Tante nach La Rochelle. Dort trifft sich die ganze Familie und feiert tagelang Ostern zusammen. Es wird wieder gegessen, bis alle platzen. So macht man das bei uns in Frankreich. Eigentlich ziemlich öde. Aber so treffe ich auch meine Cousins und Cousinen. Und du? Was macht ihr hier?“

„Ich weiß noch nicht. Bei uns wird wohl auch ein großer Teil der Familie ankommen. Wir werden wohl auch viel essen. Für die Kinder wird dann wieder eine Eiersuche veranstaltet.“

„Eiersuche?“ Er hat mich verschmitzt angelächelt.

„Naja, nicht nur Eier. Alles, was man essen kann und was schlecht für die Zähne ist. Als kleiner Junge hatte ich immer sehr viel Spaß dabei gehabt. Und ich hatte immer alles gefunden. Dieses Jahr werden wir das wohl drinnen machen müssen, bei dem Scheißwetter.“

„Und du?“

„Ich habe eigentlich keine Lust auf Feiern. Ich werde mich gut langweilen. Vielleicht komme ich auf andere Gedanken.

Wann kommt ihr wieder?“

„Gleich am Mittwoch nach Ostern.“

Dann haben wir uns wieder angeschwiegen.

Gerade als ich so bei mir gedacht habe, was Anna denn so lange machen würde und wann sie vielleicht mal wieder zurück käme, ist die Zimmertür aufgegangen und sie ist grinsend herein gekommen. Ich habe sie wohl einigermaßen angesäuert angeschaut. Sie hat daraufhin ziemlich beleidigt getan. Lange haben wir dann nicht mehr gemacht. Es ist ja auch schon spät genug gewesen.

Heute habe ich sie mir dann geschnappt in der ersten großen Pause. Ich bin einfach zu ihr hin und habe sie am Ärmel von den anderen weggezogen. Jérôme war auch dabei und hat mich nur verstört angeguckt.

„Was war denn das gestern für ’ne Aktion mit Jérôme?“, pflaumte ich Anna an.

„Ich weiß gar nicht, was du meinst“, ist von ihr nur schnippisch gekommen.

„Du weißt es ganz genau! Du hast uns absichtlich allein in deinem Zimmer so lange sitzen lassen. Lass das bitte. Misch dich bitte nicht ein. Ich schaffe das auch alleine.“

„Alex, du gottverdammter Idiot! Ich werde dir jetzt mal was sagen. Ich sage es dir, weil ich weiß, dass dich das erstens interessiert und dich zweitens auch was angeht. Jérôme ist schwul! Und er hat sich in dich – ja IN DICH – verguckt. Das sieht ein Blinder mit Krückstock. Du hättest sehen sollen, wie er vorgestern dagesessen und mich nach dir ausgefragt hat. – Nein, ich habe ihm nichts verraten.

Und alleine habe ich euch gelassen, weil ihr es eben NICHT auf die Reihe kriegt, euch endlich mal zusammen zu tun! Mensch, du Blödkopf! Ihr würdet so ein tolles Paar abgeben. Wenn ihr nicht zusammen kommt, wer sollte sich dann in einen von euch verknallen? Mensch, Alexander, Matthias ist nicht mehr. Begreife das endlich! Ich werde noch wahnsinnig. Ergreife deine Chance!

Keine Angst, ich werde mich nie wieder einmischen. Aber glaube nicht, dass ich mir von euch das Gejammere anhören werde, wenn ihr Liebeskummer habt! Von keinem von euch beiden. Das könnt ihr vergessen.

Entweder ihr verliebt euch jetzt gefälligst, oder …“ Sie hat nicht weiter gesprochen, sondern nur abgewinkt und hat mich stehen lassen.

Oh Mist, sie hat es nicht einfach mit mir. Und sie hat irgendwie Recht. Ich muss was machen.

Jedenfalls habe ich Jérôme nach der Schule gefragt, ob wir uns nochmal treffen könnten. Er hat sofort ja gesagt. Wir haben verabredet, dass wir morgen Mittag nochmal telefonieren würden, um eine Location und eine Zeit auszumachen.

Ich werde es noch einmal mit Jérôme probieren. Drück mir den Daumen, dass ich es nicht wieder vermassele. Wärest du hier, hätte ich weniger Bammel – allerdings hätte ich dann das Date auch nicht nötig.

Ich liebe dich immer noch,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Freitag, den 22. März 2013 geschrieben:

Herrjeh, Alex!

Du bist echt manchmal kompliziert. Was muss denn noch geschehen, dass du es raffst? Klar, es ist schwer, unsere Liebe einfach so aufzugeben. Eigentlich sollst du das ja gar nicht. Unsere Liebe ist und bleibt etwas ganz Besonderes – ist es immer gewesen. Ich bin hier und du bist immer noch da. Mach, was richtig ist, dann verarschst du Jérôme auch nicht.

*hihi* Anna hat es faustdick hinter den Ohren. Du tust besser, was sie verlangt. Ich wiederhole mich: Du bist jetzt dran, dein Glück zu ergreifen. Du schaffst das. Dass es schwierig ist, bedeutet doch auch, dass es möglich ist. Also, worauf wartest du noch: Kopf hoch und dem Leben die Blitze entgegen geschleudert!

Du bist auf dem richtigen Weg. Ich glaube fest an dich.

In ewiger Liebe für dich da – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Sonntag, den 24. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

Jérôme und ich sind gestern Abend in der Alten Schule gewesen, unserer urigen Kneipe am Dorfplatz an der Bushaltestelle. Wie oft waren wir beide da nach dem Rudertraining und hatten nächtelang gequatscht und diese ekligen Nachos mit Käse überbacken gegessen. Wer ist bloß auf die beknackte Idee gekommen, auf diese Knusperdinger heißen Käse zu kippen? Egal, wir hatten es andauernd in uns hineingestopft *kicher*

Jérôme und ich haben in unserer Ecke an unserem Lieblingstisch gesessen. Den ganzen Abend haben wir über dies und das geredet. Nur nicht über uns. Ich habe so gehofft, dass er anfangen würde, aber er hat nur lieb geguckt. Am liebsten hätte ich seinen Kopf zu mir rüber gezogen und ihn geküsst. Ich habe mich aber nicht getraut. Außerdem habe ich immer wieder an dich denken müssen: Wie wir da immer saßen und uns unterm Tisch die Hände hielten, wie du mir Nachos in den Mund gestopft hattest und ich dir.

Dann irgendwann hat er vorsichtig wieder meine Hand greifen wollen. Ich Blödmann bin so erschrocken gewesen, dass ich meine Hand zurückgezogen habe. Nur kurz habe ich so etwas wie eine leichte Enttäuschung in seinem Gesicht auszumachen gemeint. Er hat es nicht nochmal versucht.

Trotzdem haben wir einen sehr schönen Abend gehabt. Auf jeden Fall wollen wir uns öfter mal treffen und zusammen quatschen.

Ich könnte mir in den Hintern beißen. Das ist ein eindeutiger Versuch gewesen. Und ich hab’s wieder verkackt! Ich kann mich doch nicht einfach so auf ihn einlassen. So lange bist du doch noch nicht weg. Ich kann mich nicht einfach in ihn verlieben. Dich liebe ich. Dich!

Anderseits macht er mich total kirre. Wie er mich anschaut mit seinen verträumten Augen. Wie er mit mir spricht mit seiner erotischen Stimme. Sein Geruch, nicht streng, aber da ist immer so ein Duft, wenn er neben mir steht oder an mir vorbei geht. Außerdem sieht er einfach toll aus. Umwerfend! Kann ich mich in ihn verlieben? Soll ich? Habe ich eine Wahl? Kann ich ihn als besten Freund haben, ohne ihn zu lieben?

Heute ist Jérôme auf dem Weg nach Frankreich. Ich mag ihn wirklich sehr. Ich freue mich schon, wenn er wieder kommt.

Aber der, der mir fehlt, bist du und das wird auf ewig auch so bleiben.

Fühl dich umarmt und geküsst,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Sonntag, den 24. März 2013 geschrieben:

Herzallerliebster Alexander!

Merkst du es denn nicht? Jérôme ist total in dich verschossen. Er ist schüchtern. Das spricht für ihn. Du magst diese Draufgängertypen doch eh nicht. Vielleicht ist er auch verunsichert, weil er noch nicht weiß, wie er mit unserer Situation, mit unserer Zuneigung zueinander umgehen soll. Sende ihm Signale, so wie er es tut. Es ist eindeutig: Du bist verliebt. In ihn. Du hast keine Wahl. Du kannst nicht gut alleine bleiben. Glaub es mir.

Du hattest schließlich auch immer meine Nähe gesucht. Mir war nicht entgangen, dass du immer bei mir sein wolltest, wenn wir irgendwas mit den anderen unternommen hatten. Auf allen Klassenfahrten warst du in meinem Zimmer. Immer hattest du zugesehen, dass wir in denselben Gruppen unterwegs waren, auf Schulausflügen und auch sonst. Okay, ganz am Anfang warst du noch etwas distanziert. Doch mit dem Tag, an dem du Vertrauen zu mir gefasst hattest, wurden wir unzertrennlich. Das war dein Werk. Ich hatte mich nie unwohl gefühlt mit dir.

Im Grunde genommen hatte es unsere Liebe dann nur gegeben, weil ich mich dann endlich getraut hatte, dich zu verführen. Es war die schönste Zeit meines Lebens.

Ich liebe dich, was immer dich jetzt umtreibt. Hauptsache, du erfüllst dir deine sehnlichsten Wünsche. Du fehlst mir auch. Das wird sich auch nicht ändern.

Sei tapfer – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Dienstag, den 26. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

wir haben jetzt Osterferien. Seit Sonntag ist Jérôme in Frankreich. Kaum ist er weggeflogen, fehlt er mir auch schon. Nicht, dass ich ihn vorher öfter getroffen hätte, aber jetzt würde ich so gern mit ihm was unternehmen. Die letzten Wochen habe ich ihn ja immer mal wieder in der Schule getroffen. Eigentlich wollte ich ja rudern in den Ferien. Leider ist es wieder richtig kalt geworden: Tagelang haben wir jetzt schon unter minus fünf Grad. Es liegt Schnee und sobald es etwas wärmer wird, fällt neuer. Auf der Havel sind wieder Eiswürfel gesichtet worden. Da kann ich natürlich nicht rudern, ohne mir den Zorn des Bootswarts zuzuziehen.

So sitze ich hier rum und beobachte den Schnee. Früher hatten wir beide immer eine Schneeballschlacht gemacht oder Schneemänner gebaut. Ich weiß noch, wie du deinem Schneemann mal eine besonders dicke Mohrrübe falsch herum an die untere Kugel gesteckt hattest. Wir hatten uns fast nass gemacht vor Lachen. Matti, eigentlich bist du es, der mir fehlt. Wie gerne würde ich jetzt mit dir zusammen auf meinem Sofa rumlümmeln, wir würden uns abknutschen und stundenlang kuscheln oder einfach nur so daliegen. Mit dir macht selbst Nichtstun Spaß.

Ob mit Jérôme nichtstun auch schön ist? Ob auch kuscheln mit ihm so schön ist, wie mit dir?

Ich habe solche Sehnsucht nach Berührung. Wie gern würde ich jetzt kuscheln. Aber hier ist niemand. Nur Schnute, dein Teddy, den mir dein Onkel Klaus gegeben hat. Er liegt immer neben mir im Bett oder sitzt auf unserem Kuschelsofa. Er riecht noch ein bisschen nach dir und manchmal höre ich ihn sprechen. Er hat deine Stimme. Er vermisst dich auch. Zusammen stehen wir das durch, sagt er.

Ob Jérôme was gegen Teddybären hat?

Ich drücke dich ganz doll,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Dienstag, den 26. März 2013 geschrieben:

Lieber Alex.

Ach ja, mein oller Teddy! Als ich klein war, hatte er immer auf mich aufgepasst. Ich brauchte ihn nur in die Arme zu nehmen und ganz doll zu drücken. Wenn ich nicht schlafen konnte, hatte er immer die Dunkelheit etwas heller gemacht und alle Ungeheuer vertrieben, die ich sah. Wenn ich dann schlief, hatte er über mich gewacht. Ich musste ihn nur ganz fest drücken. Jetzt ist er für dich da.

Ob kuscheln mit Jérôme schön ist, weiß ich nicht. Hör bitte auf, alles und jeden an mir zu messen! Sonst wirst du nie mehr Spaß haben. Nicht mit Jérôme und auch nicht mit irgendwem.

Wenn du wirklich wieder Spaß haben willst – und davon gehe ich einfach mal aus – dann musst du dich lösen, dann musst du dich auch mal fallen lassen. Was hindert dich, es mal mit Jérôme zu probieren? Er scheint wirklich ein netter Kerl zu sein. Und du doch auch. Mach dir keinen Kopf, dass er denken könnte, du würdest ihn nur als Trostpflaster nehmen. Lass zu, dass ihr euch mögt, dass ihr zusammen sein wollt. Tut es um eurer selbst willen. Wenn du ihn wirklich gern hast, dann ist das mit dem Trostpflaster Quatsch.

Zu blöd, dass er nicht da ist. Aber, hey, er kommt wieder. Bestimmt! Das Leben ist zu kurz, um ausgerechnet Trübsal zu blasen. *zwinker*

Wenn Jérôme wirklich was für dich empfindet, dann wird er auch Schnute gern haben.

Ich bin ganz zuversichtlich. Gib die Hoffnung nicht auf.

Ich fühle mit dir – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Donnerstag, den 28. März 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

die letzten Tage habe ich mit Nichtstun und Langeweile zugebracht. Das Wetter ist scheiße und Jérôme ist nicht greifbar. Wie soll ich bitte aufhören, von dir zu träumen? Wie soll ich an was anderes denken, außer an uns und was wir jetzt alles hätten anstellen können? Scheiße, du fehlst mir. Ohne dich fühle ich mich so leer und so unvollständig. Wenn ich nicht aufpasse, fange ich wieder an zu heulen. Ich will das nicht mehr.

Heute ist ein denkwürdiger Tag gewesen. Ich habe mich vorhin bei meinen Eltern geoutet!

Eigentlich haben sie nur aus mir herausbekommen wollen, wie es mir geht. Unter dem Vorwand, wir sollten mal über Ostern reden, haben sie mich in die Küche an unseren großen Tisch gebeten.

Ich weiß auch nicht mehr, es hat sich einfach so ergeben, dass ich ihnen dann erzählt habe, dass ich dich geliebt hätte und dass du mir nun fehlen würdest. Sie haben mich mit großen Augen angeschaut, aber nichts weiter dazu gesagt.

Und weil das irgendwie so einfach gewesen ist, habe ich ihnen dann auch noch erzählt, dass ich mich in Jérôme verliebt hätte. Ob er nicht an einem der Feiertage mal zu uns kommen wollte, hat meine Mum wissen wollen. Da habe ich den Kopf geschüttelt und erklärt, dass Jérôme in Frankreich bei seiner Familie Ostern verbringen würde.

„Wie? Dein Freund ist in Frankreich? Was hat das alles zu bedeuten?“, wurde es meinem Vater dann wohl doch offenbar zu viel.

„Dieter, jetzt lass doch deinen Sohn mal in Ruhe. Und vor allem: Schrei hier nicht so rum. Schau ihn dir doch an. Was glaubst du, wie er sich jetzt fühlt?“, flehte meine Mum.

„Hast du das eben nicht mitbekommen? Unser Herr Sohn eröffnet uns mir nichts dir nichts, dass er schwul ist. Okay, ich kann nicht gerade behaupten, dass mir das gefiele. Aber es ist sein Leben, das er sich versaut.

Dann eröffnet er uns noch, dass sein Freund in Frankreich ist. Was sind denn das für Sitten? Erst der Matthias und jetzt schon wieder ein Neuer? Da sage mal einer, an den Klischees über die warmen Brüder wäre nichts dran. Unser lieber Herr Sohn zeigt uns so mal eben, wie er das Leben genießt, während er uns die ganze Zeit was vorleidet!“

Mein Vater hat wohl nicht mitbekommen, dass mir sofort die Tränen gekommen sind, als er deinen Namen ausgesprochen hat. Was ist der für ein Arschloch! Als würde ich mich kreuz und quer durch die Stadt vögeln! Dabei weiß er ganz genau, wie sehr ich dich vermisse und wirklich leide. Mal wieder hat er mir deutlich zu verstehen gegeben, was er von mir als Sohn hält. In seinen Augen bin ich doch nur noch der verheulte Versager. Scheiße, was heule ich denn aber auch andauernd!

Meine Mum hat ihn nur mit aufgerissenen Augen angestarrt. Es hat ein paar Sekunden gedauert, bis sie wieder Wörter gefunden hat: „Dieter, jetzt reicht’s aber!“

Sie ist um den Tisch herum gekommen und hat sich hinter mich gestellt und ihre Arme auf meine Schultern gelegt.

„Das war ja klar. Ihr haltet zusammen. Da ist an ein vernünftiges Gespräch nicht zu denken“, hat mein Vater nur gemosert und die Küche verlassen.

Eh Mum was hat sagen können, bin ich aufgestanden und hoch in mein Zimmer gegangen. Eine ganze Weile habe ich nur am Fenster gesessen und in den verschneiten Garten hinuntergeschaut. Der Garten hat verlassen da gelegen. Die Natur hat noch geschlafen unter der Schneedecke.

Ich habe geblinzelt und dann plötzlich eine Person dort unten an unserem Beet hocken sehen. Ich bin aufgestanden und habe das Fenster geöffnet. Die Person ist ein Junge gewesen, ungefähr von deiner Statur. Er hat deinen bunten Anorak angehabt – den mit der Pelzkragenkapuze. Der Junge hat zu mir hochgeblickt und mich nickend angelächelt. Ich habe dein Gesicht erkannt und verstanden: Ich sollte zu dir kommen. So habe ich das Fenster wieder geschlossen und bin die Treppe runter gegangen in die Küche. Aus dem Wohnzimmer habe ich meine Eltern streiten gehört. Obwohl sie laut genug gewesen sind, habe ich nicht verstanden, worum es gegangen ist. Na klar, irgendwie um mich.

Ich bin dann durch die Küchentür nach draußen über die Terrasse in den Garten gegangen – ohne Schuhe anzuziehen, auf Strümpfen. Der Schnee hat unter meinen Schritten geknirscht. Meine Strümpfe sind schon durchnässt und meine Füße eiskalt gewesen, als ich bei dir angekommen bin. Ich habe mich neben dich gehockt. Gemeinsam haben wir auf unser Beet geguckt. Ein oder zwei Stunden, ich weiß nicht mehr wie lange. Die fünf Grad minus sind gar nicht so kalt gewesen, weil ich deine Wärme gespürt habe.

Dann hast du mich angeschaut. Als ich meinen Kopf zu dir gedreht habe, hat sich dein Gesicht in Jérômes verwandelt. Er hat mich angelächelt und mich gefragt, ob ich ihn mit hinein ins Haus nehmen würde, schließlich wäre es kalt hier draußen.

Dann habe ich nur meine Mum von weitem rufen hören: „Alexander! Was machst du da? Komm bitte wieder rein!“ Oder so etwas Ähnliches. Ich habe mich wieder zu ihm umgedreht. Er ist weg gewesen. Enttäuscht bin ich aufgestanden und zum Haus gegangen. Total verfroren hat mich Mum an der Tür empfangen und mich in eine große flauschige Decke gewickelt. So hat sie mich ins Wohnzimmer geführt. Im Augenwinkel habe ich nur mitbekommen, wie mein Vater kopfschüttelnd verschwunden ist.

Mum hat mir einen heißen Kakao gebracht und sich stumm neben mich auf die Couch gesetzt. Sie hat nichts gesagt. Ich auch nicht.

Irgendwann habe ich zu zittern aufgehört und bin dann wortlos nach oben in mein Zimmer gegangen. Dort habe ich mich gleich mit meinem Laptop ins Bett gelegt.

Ich habe dir das hier unbedingt schnell noch schreiben wollen. Schon irgendwie irre: Jetzt träume ich schon am Tage! Von dir und von Jérôme.

Mach’s gut, mein Lieber,

dein vielleicht schon verrückt gewordener Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Donnerstag, den 28. März 2013 geschrieben:

Hey, Alex!

Ich bin echt sehr stolz auf dich! Das hätte ich jetzt nicht erwartet. Dass dein Vater damit irgendwelche Probleme haben würde, ist mir schon klar gewesen. Jetzt gib deiner Mum Zeit, sich daran zu gewöhnen. Du wirst sehen: Sie liebt dich. Sie lässt dich nicht im Stich.

Irgendwie habt ihr nun überhaupt nicht über Ostern geredet. Was liegt denn nun an? Kommt wieder deine ganze Bagage? Hauptsache, du feierst schön mit.

Wie gern würde ich mit dir Eier suchen gehen – und finden – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Samstag, den 30. März 2013 geschrieben

Lieber Matti,

gestern am Karfreitag sind nur meine Oma und mein Opa zu Besuch gewesen. Sie haben nur das übliche wissen wollen: wie es in der Schule ginge und ob ich das Rudern vermissen würde … Mein Gott, wenn die wüssten was, oder besser WEN ich vermisse … Sie haben geschickt vermieden, nach dir zu fragen, beziehungsweise, wie es mir so erginge ohne dich. Ich bin auch ganz froh darum gewesen. Ich habe nämlich keine gesteigerte Lust gehabt, mich mit ihnen über uns zu unterhalten und dann wieder anfangen zu heulen. Das passiert immer noch, wenn mich jemand dazu befragt. Besser die lassen das alle!

Nach dem Abendessen sind die beiden dann auch bald gegangen. Ich habe sie noch zu ihrem Auto gebracht. Es ist ja doch ziemlich glatt draußen gewesen und dunkel. Zurück bin ich dann durch den Garten an unserem Beet vorbei. An der Stelle, wo ich vorgestern fast erfroren bin, habe ich eine Weile gestanden.

Vor drei Monaten wollten wir Silvester zusammen feiern. Wir wollten es so richtig krachen lassen und unsere Liebe hinaus in die Welt schreien und feiern und feiern … Wo wir doch schon Weihnachten nicht zusammen sein konnten, da du doch mit deinen Eltern kurz vor Weihnachten nur nach Rostock zu der Familie deines Vaters fahren wolltest, wie ihr es fast jedes Jahr gemacht hattet.

Ich war an dem Morgen eurer Abreise noch bei euch gewesen, um mich bei dir zu verabschieden und dir mein Weihnachtsgeschenk zu geben. Oh, Scheiße, während ich darüber nachdenke, laufen mir schon wieder Tränen aus den Augen. Deine Eltern waren noch mal kurz ins Haus gegangen, um irgendwas zu holen.

Wir standen zusammen an eurem Auto. Ich gab dir einen innigen Kuss, was zu einer wahren Knutschorgie ausartete. Wir hatten Mühe, uns voneinander zu lösen. Deine Eltern sollten ja noch nichts bemerken.

Dann sagtest du zu mir: „Schau mich nicht so traurig an. Es sind doch nur ein paar Tage. Ich bin rechtzeitig vor Silvester wieder da.“

„Das sagst du so einfach. Wenn ich nicht wüsste, dass du wiederkommst, würde ich dich nicht fahren lassen. Oder einfach mitkommen.“

„Du Scherzkeks. Was sollte mich davon abhalten, zu dir zurück zu kommen? Hä? Klar komme ich wieder. Ich liebe dich nämlich.“ Dabei hattest du mir mit dem Zeigefinger an die Nase gestupst und mich so lieb angelächelt.

Dann wart ihr alle eingestiegen und losgefahren. Du hattest dich aus dem offenen Fenster gelehnt und mir zugewinkt. Ich stand und winkte dir hinterher. Solange, bis ihr um die Ecke verschwunden wart.

Später, als ich wieder zu Hause angekommen war, hatte ich so ein komisches Gefühl. Zuerst dachte ich, so wäre das wohl, wenn man verliebt ist und der Liebste gerade weggefahren ist. Meine ganzen Gedanken gehörten nur dir. Nach einer Weile hatte ich dann dieses unbestimmte Verlangen, das Radio anzuschalten, gerade, als die Verkehrsnachrichten verlesen wurden:

„Achtung Autofahrer auf der Autobahn A24 von Berlin in Richtung Hamburg: Zwischen der Anschlussstelle Herzsprung und dem Dreieck Wittstock/Dosse hat sich bei dichtem Nebel eine Massenkarambolage mit etwa dreißig PKW und fünf LKW ereignet. Die Autobahn ist bis auf weiteres in beiden Richtungen komplett gesperrt. Nähern Sie sich der Unfallstelle bitte mit äußerster Vorsicht. Letzte freie Ausfahrten sind Wittstock auf der A19 und auf der A24 Pritzwalk und Herzsprung.“

Ich bekomme das einfach nicht mehr aus meinem Kopf. Sofort war mir klar: Das war’s!

Bei dem Gedanken habe ich glatt wieder zu heulen angefangen. Plötzlich habe ich einen Arm um meine Schultern gespürt. Ich habe gar nicht gehört, wie meine Mum zu mir in den dunklen Garten gekommen ist.

„Du vermisst ihn“, hat sie leise festgestellt.

„Ja und es tut so weh“, habe ich nur geschluchzt.

„Alex, komm her, lass dich umarmen. Jetzt ist es noch ganz schlimm. Du wirst sehen, es geht vorüber. Es wird wieder besser. Komm her, ich bin bei dir.“

Da habe ich mich leicht zu ihr gedreht, meine Arme um sie gelegt und hemmungslos geflennt. Sie hat mir dabei die ganze Zeit über den Rücken gestreichelt.

„Lass es raus, mein Großer. Lass es raus.“

„Ich weiß nicht mehr weiter“, habe ich zu ihr nach ein paar Sekunden schluchzend gesagt.

„Alex, das merke ich. Wenn du darüber reden möchtest, bin ich für dich da. Egal, was es ist. Egal was du fühlst. Wenn du ein Problem hast, kannst du immer zu mir kommen. Auch, wenn du denkst, ich würde dich nicht verstehen. Dann erklär’s mir.

Eins weiß ich mit Sicherheit: Du bist mein Sohn und wirst es immer bleiben. Wenn du leidest – und das tust du ganz fürchterlich – leide ich mit dir. Wenn ich dir helfen kann, werde ich alles tun, was ich kann. Du musst es mir nur sagen.“

„Ich vermisse Matti so sehr, dass ich verrückt werde. Ich kann einfach nicht mehr klar denken. Ich habe ihn verloren. Und das tut so weh! Ach, wäre ich doch an seiner Stelle gewesen oder mit dabei.“

Sie hat mich noch fester an sich gedrückt. Ich habe einfach nur geweint in ihren Armen.

Nach ein paar Sekunden hat sie mir ins Ohr geflüstert: „Sag doch so etwas nicht. Bitte. Ich bin so froh, dass du da bist.“

„Ich habe so Angst, dass ich euch, dich und Papa auch noch verliere. Dann bin ich ganz alleine.“

„Nein, das bist du nicht. Ich bin da. Das weißt du. Und deinen Vater bringen wir auch wieder zur Vernunft. Er meint das doch nicht so. Er ist nur … etwas überfordert. Er liebt dich doch auch, wie ich es tu. Nur zeigen das Männer etwas anders. Das wirst du bestimmt auch noch merken, mein Großer. Lass mich nur machen.“

Wieder haben wir eine Weile geschwiegen.

„Was ist das jetzt eigentlich mit Jérôme? Wann lerne ich ihn mal kennen?“

Ich habe mich kurz aus ihrer Umarmung gelöst und sie mit großen Augen angeschaut. Sie ist meinem Blick mit einem aufrichtigen Lächeln begegnet.

„Mittwoch nach Ostern kommt er wieder. Wir wollen uns dann treffen.“

„Was hältst du davon, wenn er zu uns am Donnerstag zum Frühstück kommt. Ich bin zu Hause, Papa ist nicht da. Das fände ich nett. Dann lerne ich ihn kennen und ihr habt noch den ganzen Tag für euch.

So, und jetzt lass uns reingehen. Es ist sehr schattig hier draußen.“

Meine Mum ist wirklich die Beste! Ich weiß echt nicht, was ich ohne sie jetzt machen würde. Du bist weit weg. Jérôme ist verreist. Der hat sich nicht mal bei mir gemeldet. – Nun, ich werde es überleben.

Ich liebe dich. Ich vermisse dich. Ich hoffe, ich nerve dich nicht zu sehr.

Fühl dich umarmt und geküsst von mir,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Samstag, den 30. März 2013 geschrieben

Hallo Alex, mein Schatz.

Nein, du nervst mich nicht. Im Gegenteil, ich freue mich immer, wenn ich von dir lesen kann. Immerhin liebe ich dich auch noch, nur eben anders als bisher. Unsere Liebe ist nicht vorbei, sie hat nur einen anderen Ort gefunden.

Ich weiß noch, wie du an meinem offenen Grab gestanden hast. Du wärst fast zu mir hineingefallen, als du erst die Erde auf den Sarg geworfen hattest und dann den Strauß bunter Blumen hinterher. Es hatte vorher geregnet und der Boden war ziemlich aufgeweicht und hatte nachgegeben, weil du zu nah an der Kante gestanden hattest. Mein Onkel Klaus hatte Mühe, dich festzuhalten.

Ich hatte deine Gedanken gelesen. Deswegen weiß ich ganz genau, was du für mich empfindest. Wenn ich es nicht schon in dem halben Jahr davor bemerkt hätte, in dem Moment wäre es mir klar geworden.

Deine Mum ist wirklich die Beste. Ich wusste, dass sie zu dir stehen würde. Hab Vertrauen zu ihr. Mit deinem Vater musst du Geduld haben. Das renkt sich wieder ein. Deine Mutter wird das schon hinbekommen.

Ja, die Nachricht im Radio hatte dich bis ins Mark getroffen. Was meinst du, wie es mir erging? Das tut verdammt weh. Immerhin ist es schnell gegangen. Der LKW neben uns ist ganz plötzlich umgekippt. Er war voll beladen mit Betonteilen. Das hatte dir ja mein Onkel Klaus alles schon erzählt. Oh mein Gott, du warst zusammengebrochen und hattest nur noch geschrien. Das tat mir noch sehr viel mehr weh. Dein Herz, mein Lieber, ich hatte Angst um dein Herz. Es drohte zu zerbrechen.

Aber dein Herz ist nicht zerbrochen. Es hat nur einen Knacks abbekommen. Es wird wieder heilen, wenn auch nicht ganz. Ich wohne darin und werde die Wunde zusammenhalten, solange, bis sie verheilt ist. Das verspreche ich dir.

Hauptsache du lebst! Und wenn du das Gefühl hast, Jérôme ist der Richtige, dann schmeiß dich an ihn ran. Ruf ihn an, mach den Frühstückstermin bei euch zu Hause fest. Du wirst sehen, es wird dir guttun. Je besser es dir geht, desto einfacher ist es für mich, dein Herz zusammenzuhalten. Du hast jetzt eine Chance. Ergreife sie!

Sei mutig, ich stehe dir bei – dein Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Ostermontag, den 01. April 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

danke für deine aufmunternden Worte. Es ist schon irgendwie komisch, mit dir E-Mails zu schreiben. Aber es hilft mir. Du hast immer einen Rat für mich parat.

Gestern habe ich Anna angerufen. Nur, um ihr frohe Ostern zu wünschen. Irgendwie sind wir auf Jérôme zu sprechen gekommen. Ich habe ihr gesagt, dass ich traurig sei, weil er sich nicht gemeldet habe. Ich habe solche Angst, dass er auch nicht mehr wieder zurück kommt. Ich lasse keine Nachrichtensendung aus, hoffe, dass es keinen Flugzeugabsturz gegeben hat oder Unwetter in Frankreich!

Anna hat mir dann gesagt, sie habe von Jérôme eine SMS erhalten, dass er gut angekommen sei. Und eine weitere heute Morgen, in der er ihr Joyeuses Pâques wünscht.

„Hm, mir hat er nicht geschrieben“, bin ich doch etwas beleidigt gewesen.

„Warum hast du ihm denn nicht geschrieben? Zumindest zu Ostern?“

Ja, warum eigentlich nicht? Dabei ist mir eingefallen, dass ich mein Handy die ganzen letzten Tage nicht angerührt habe. Ich bin so mit mir selbst beschäftigt gewesen, dass ich nicht mal daran gedacht habe, meine SMS oder Whatsapp zu checken. Als ich das Anna gesagt habe, hat sie mich angemeckert und gesagt, was für ein blöder, egozentrischer Idiot ich sei. Sie hat Recht.

Ich habe nach dem Telefonat mit ihr mein Handy hervorgekramt und erst einmal den Akku wieder aufgeladen. Dann habe ich gesehen, dass mir Jérôme sehrwohl gesmst hat, dass er gut angekommen sei und dass er sich freuen würde, mich nach Ostern wieder zu sehen.

„Schade, dass du nicht antwortest. Habe ich was falsch gemacht?“, habe ich von ihm in einer weiteren SMS gelesen. Oh, Mist! Ich bin wirklich zu doof für diese Welt!

Ich habe ihm sofort zurück geschrieben, dass es mir leid täte und ob ich ihn mal anrufen dürfe. Er hat nur geantwortet, dass das keine gute Idee wäre, wegen der teuren Roaminggebühren. Seine Handyrechnungen würden von seinen Eltern bezahlt, und sie hätten nur SMS erlaubt.

Ob ich ihn gekränkt habe? Beleidigt? Ich habe ihm frohe Ostern gewünscht und dass er sich bitte, bitte melden soll, wenn er wieder zurück ist.

Er hat nur „joyeuses pâques, mon zozo“ geschrieben. Er scheint nicht wirklich sauer zu sein, mindestens versöhnlich.

Gleich kommen erstmal die ganzen Verwandten zum großen Ostermontagsessen. Ich habe gestern und heute meiner Mum bei den Vorbereitungen geholfen. Sie hat sich echt was Tolles einfallen lassen, was man mit Lamm so alles machen kann. Hoffentlich werde ich nachher nicht allzu sehr gelöchert. Ich will nicht über dich reden und auch nicht, warum ich noch keine Freundin habe. Ich werde das schon irgendwie hinter mich bringen.

Ich freue mich total auf Jérôme. Ich glaube, ich kann es mit ihm mal wagen. Er hat dieses gewisse Je ne sais pas. Er ist nett. Er ist hübsch. Er ist sensibel. Und er hat mich die ganze Zeit vor den Ferien so angeguckt mit diesen dunklen Augen, in denen ich zu ertrinken drohe. Hoffentlich ist er jetzt nicht gekränkt. Hoffentlich mag er mich noch.

Es fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Wenn ich an ihn denke, beschleicht mich dasselbe Gefühl, das immer da war, wenn ich mich auf dich gefreut hatte, liebster Matti. So im Bauch und im Herzen.

Ich würde so gern wieder kuscheln und schmusen. Nicht nur mit Schnute. Mit einem Jungen. Mit Jérôme.

Was, wenn ich mich nun unsterblich in ihn verliebe? Kann ich zwei unsterbliche Liebhaber haben? Was, wenn ich mich an ihn gewöhne und mit ihm glücklich werde? Was wird dann aus uns?

Ich liebe dich so sehr, dass es mich fast zerreißt,

dein Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Ostermontag, den 01. April 2013 geschrieben:

Ach Alexander, mein Liebster!

Natürlich freue ich mich über dein Glück. Ich freue mich sehr, dass es dir wieder besser geht. Macht, was euch in den Sinn kommt. Kuschelt, schmust und habt Sex miteinander.

Wir hatten viel und schönen Sex miteinander. Wir haben es immer genossen, uns überall zu berühren, mit den Händen, mit den Lippen und mit unseren Zungen. Du hast immer so gut geschmeckt. Deine Haut war immer so samtig weich. Ich konnte nicht genug von dir bekommen. Wir wollten mehr, viel mehr. Nächtelang hatten wir sinniert, wie es wäre, wenn … Weiter als Blasen waren wir nie gekommen. Wir wollten uns Zeit lassen. Nichts übereilen. Wir hatten ja keine Ahnung.

Keiner weiß es jetzt besser als wir beide: Die Gefahr ist zu groß, dass du eines Tages aufwachst und es keine Zeit mehr gibt, all das zu tun, was du immer tun wolltest. Also, mein Liebling: TUT ES JETZT! Lasst nichts aus, was ihr machen wollt. Lasst es krachen. Ich weiß es ganz genau, du kannst nicht ohne schmusen und kuscheln sein. Und dein Sofa hat bestimmt schon Entzugserscheinungen!

Versprich mir, dass du glücklich wirst – dein dich immer liebender Matti

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Samstag, den 06. April 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

der Abend mit der Familie ist nicht sonderlich spektakulär gewesen. Keiner hat mir irgendwelche aufdringlichen Fragen gestellt. Alle haben mich zwar so komisch angesehen, es aber vermieden, in meinem Gemütszustand herumzustochern. Ein bisschen bin ich mir wie ein Aussätziger vorgekommen, mit dem man bloß nicht über Probleme reden sollte. Mich hat es nicht wirklich gestört. Ich bin früh ins Bett gegangen.

Mittwoch ist Jérôme wiedergekommen. Ich bin den ganzen Tag aufgeregt gewesen, ob er sich melden würde. Ob er sich noch mit mir treffen wolle. Dann hat er endlich am Abend angerufen! Er hat überhaupt keinen beleidigten Eindruck gemacht. Er hat sofort zugesagt, als ich ihn gefragt habe, ob er am Donnerstag zum Frühstück kommen wolle. Ich habe mich wirklich riesig gefreut, so sehr, dass ich breit grinsend durch das ganze Haus getänzelt bin. meine Mum hat mich nur belustigt dabei beobachtet. Meinen Vater hat das nicht merklich interessiert. Immerhin hat er sich wieder beruhigt.

Kaum ist Jérôme wieder in Berlin, scheint die Sonne. Kein Wölkchen hat sich am Himmel gezeigt. Und es ist merklich wärmer geworden. Ob ich Jérôme zum Rudern überreden kann?

Am Donnerstag ist er dann zu uns gekommen. Meine Mum ist sofort von ihm begeistert gewesen, als er ihr einen Osterstrauß und französische Pralinés übergeben hat. Dann hat er sich ganz artig bei ihr vorgestellt, worauf Mum ihn aufgefordert hat, sie zu duzen und Kerstin zu ihr zu sagen.

Dann haben wir uns an den Frühstückstisch gesetzt, den ich mit ihr zusammen den ganzen Morgen vorbereitet habe. Ich bin sogar freiwillig frische Brötchen und Croissants holen gefahren. Dazu habe ich extra noch mein Fahrrad abgestaubt und fahrbereit gemacht.

Dann haben wir lange gefrühstückt. Jérôme und ich haben uns mit unseren Stühlen immer weiter angenähert. Mum hat das wohl mitbekommen. Sie war die ganze Zeit bester Laune und hat uns immer wieder angelächelt. Und dann wollte sie alles – aber auch alles – über Jérôme wissen. Sie hat ihn förmlich ausgequetscht, dass es mir fast schon unangenehm geworden ist. Jérôme hat das wohl nichts ausgemacht: Er hat nett und freundlich alle Fragen beantwortet und viel über sich erzählt.

Über zwei Sachen haben wir kein Wort verloren: Über dich und übers Schwulsein haben wir nicht gesprochen.

Nachdem wir fertig gewesen sind mit dem Frühstück, hat sie uns einfach aus der Küche gescheucht. Sie hat dabei irgendwie so wissend gegrinst.

Wir sind dann erst mal in mein Zimmer hoch gegangen.

Dort angekommen habe ich Jérôme sich gleich auf mein Sofa setzen lassen. (Unser Sofa.) Eh ich entdeckt habe, dass da in der Mitte Schnute, dein Teddy gesessen hat und eh mir das so richtig peinlich geworden ist, hat er ihn sich gegriffen und an sein Herz gedrückt. Dann hat er mit ihm gesprochen: „Was bist du denn für ein süßer dicker Teddy? Hast du auch einen Namen?“ Jérôme hat sein Ohr an Schnutes Schnauze gehalten und gelauscht.

Das hat sooo süß ausgesehen. Wäre ich nicht schon verliebt gewesen, wäre es in diesem Moment geschehen.

„Er heißt Schnute“, habe ich verraten.

Jérôme hat ernst geguckt und gemeint: „Das hat er mir gerade auch gesagt.“ Und zu ihm gewandt: „Schnute, das ist aber ein süßer Name für einen süßen Bären.“

„Er hat Matti gehört“, habe ich leise gesagt.

Jérôme hat ihn sofort neben sich abgesetzt und losgelassen. „Oh, das tut mir leid. Ich wollte nicht …“

„Ist schon okay. Da muss er durch. Er gehört jetzt zu mir. Ich habe ihn adoptiert.“

Die ganze Zeit habe ich im Zimmer gestanden und Jérôme beobachtet, wie er Schnute berührt hat, ihn gedrückt hat, mit ihm gesprochen hat und gelauscht hat, was er gesagt hat. Ich bin einfach hin und weg gewesen. Jetzt haben wir uns nur angeschaut und geschwiegen.

Plötzlich ist ein Lächeln über Jérômes Gesicht gehuscht und er hat mich einmal angenickt und dann mit der flachen Hand auf den Platz neben sich gehauen. Langsam habe ich mich dahin gesetzt. Jérôme hat meine Hand ergriffen und mich an meinem Arm zu sich ziehen wollen. Ich bin ziemlich steif geblieben. Dann ist mir durch den Kopf gegangen, was ich mir so sehnlich gewünscht habe. Ich habe ihn umarmt und ihm einen Kuss auf die Wange gegeben. Als er mir auch einen Kuss auf die Wange geben wollte, habe ich ihm schnell meinen Mund zugedreht und meine Lippen auf seine gepresst.

So haben wir stundenlang gesessen, uns festgehalten und geküsst. Nur zum Atemholen haben wir uns von einander gelöst.

„Du, Alex?“, hat er mich plötzlich gefragt.

„Ja, Jérôme?“

„Ich glaube …“

„Ich auch. Und wie“, habe ich ihn unterbrochen.

Dann haben sich unsere Köpfe wie von selbst einander ganz langsam wieder angenähert. Unsere Lippen haben sich gefunden. Ich habe auf einmal seine Zunge gespürt, wie sie sich ihren Weg in meinen Mund gebahnt hat. Den hat ihr meine Zunge versperrt. So ist es zu einem Zungengerangel gekommen, das uns mindestens zwei Stunden beschäftigt hat. Sicher bin ich mir da nicht, denn mein Zeitgefühl ist mir irgendwie abhanden gekommen.

Zwischendurch hat meine Mum hochgerufen, dass sie das Haus verlassen würde und wir keine Dummheiten machen sollten. Haha, wie lustig. Was zu essen wäre im Kühlschrank, wir sollten uns einfach bedienen.

Jérôme und ich haben uns nur angeguckt und gekichert. Nachdem wir die Haustür gehört haben, sind wir wieder dazu übergegangen, uns abzuknutschen und an allen erdenklichen Körperstellen zu streicheln. Mann bin ich erregt gewesen! Jérôme ist es nicht anders ergangen. Irgendwann haben wir nichts mehr angehabt.

Ja, Matti. Wir haben Sex gehabt und was für welchen. Jérôme ist dabei so zärtlich mit mir umgegangen, dass mir Hören und Sehen vergangen ist. Es ist wunderschön gewesen. Dennoch habe ich irgendwann einfach nur nackt neben ihm gesessen und geschluchzt. Ein paar Tränen sind mir übers Gesicht gelaufen.

„Was ist los, Alex? Habe ich dir weh getan?“, hat er besorgt wissen wollen.

„Nein. Ich habe nur gerade an Matti gedacht und sein lächelndes Gesicht gesehen.“

Jérôme ist näher gerutscht und hat mich umarmt.

„Er fehlt dir sehr, stimmt’s? Ich wollte, ich könnte dir nur ein kleines bisschen das geben, was er dir gab. Ich wollte, ich könnte dir helfen, besser klar zu kommen.“

„Ich weiß. Und ich wünsche mir, dass wir beide es miteinander versuchen. Es tut noch immer so weh. Ich kann ihn einfach nicht vergessen.“

„Das sollst du auch gar nicht. Ich weiß, wie sehr du ihn immer noch liebst. Und ich bin bereit, das zu akzeptieren. Was kann ich noch tun für dich?“

„Sei einfach da und küss mich.“

„Das lässt sich machen“, hat er grinsend gesagt und mich auf die Stirn geküsst.

Wir sind dann am späten Nachmittag noch rausgegangen, bevor mein Vater nach Hause gekommen ist. Ziellos sind wir durch unseren Vorort geschlendert, vorbei an Einfamilienhäusern mit kleinen Vorgärten, der großen Baumschule und dem kleinen Wäldchen mit der Schilfdachkapelle. Fast die ganze Zeit haben wir uns an den Händen gehalten. Nur, wenn uns wer entgegen gekommen ist, haben wir uns verschämt losgelassen. Zwischendurch haben wir uns immer wieder kurz geküsst, wenn die Luft rein gewesen ist und es keiner hat sehen können. Wir haben nicht viel geredet. Es ist schön gewesen, einfach so zusammen zu sein. Ich habe Jérôme dann noch nach Hause begleitet und ihn zum Abschied zärtlich geküsst.

„Bis morgen, Jérôme.“

„A demain, Alex.“

Gestern sind wir dann vormittags im Ruderverein gewesen. Ich habe ihm unser Bootshaus und die Boote gezeigt und ihn auch einigen von unseren Kameraden vorgestellt. Sven ist nicht da gewesen. Ist wohl doch noch zu frisch für ihn, obwohl die Sonne sich redlich bemüht hat.

Mit Zweifeln in seinen Augen hat mich Jérôme dann gefragt: „Mit diesen schmalen Booten kann man tatsächlich fahren, ohne umzukippen?“

„Ich würde es dir gern zeigen, wenn du magst“, habe ich ihn angelächelt.

„Das wäre formidable. So wäre ich immer in deiner Nähe, wenn du auf dem Wasser bist. Ich habe das aber noch nicht ausprobiert. Würde ich sehr gerne mal.

Aber nicht heute. Lass uns zu mir gehen, Maman und Papa sind nicht da.“

Er hat mich nicht lange bitten brauchen. Sein Lächeln ist Grund genug gewesen. So haben wir den Rest des Tages bei ihm im Zimmer verbracht, obwohl das Wetter eigentlich ganz angenehm gewesen ist. In seinen Armen zu liegen und ihn zu berühren, von ihm geküsst und gestreichelt zu werden, ist viel besser, als draußen den zaghaften Beginn des Frühlings zu genießen.

Matti, ich bin verliebt.

Jérôme hat mich gefragt, ob wir jetzt miteinander gehen. Ich habe ihm gesagt, nur, wenn er mir verzeiht, dass du mir fehlst. Nur, wenn er akzeptiert, dass ich noch lange von dir träumen werde. Mit einem dicken Schmatzer hat er zugestimmt und erklärt, dass er das verstehe und mir helfen wolle.

Trotz allem vermisse ich dich sehr. Sag mir, ob ich das Richtige mache.

Du fehlst mir,

dein Alex

 

 

Alexander <alexander@***.de> hat am Sonntag, den 07. April 2013 geschrieben:

Lieber Matti,

du hast nicht geantwortet. Habe ich etwas falsch gemacht? Ist es nicht richtig, dass ich mit Jérôme zusammen sein will? Ist es falsch, dass ich mich an ihn schmiege? Dass wir kuscheln und knutschen? Du hast doch geschrieben, dass ich tun soll, was ich schon immer tun wollte. Warum schweigst du? Habe ich dir wehgetan? Das würde mir das Herz doch noch brechen. Bitte glaube mir, es ist nicht leicht ohne dich. Es ist so viel einfacher mit Jérôme. Bin ich zu weit gegangen?

Ich werde dich nie vergessen und niemals aufhören, dich zu lieben,

dein dich vermissender Alex

 

 

Matthias <matthias@***.de> hat am Sonntag, den 07. April 2013 geschrieben:

Mein lieber Alex,

warum ich dir nicht antworte? Ich bin tot, hast du das vergessen? Was kann ich jetzt noch für dich tun? Du lebst dein Leben. Es wartet auf dich da draußen. Was hindert dich, zu leben? Lass los und fang neu an. Kümmer dich nicht darum, was ich zu deinen Entscheidungen sage, solange du selbst sie richtig findest. Werde glücklich, dann kann ich zufrieden ruhen. In deinem Herzen.

Lebe wohl, mein liebster Alexander. Mach es gut. Ich liebe dich und werde immer auf dich aufpassen.

Liebe Grüße an Jérôme: Ihr seid ein süßes Paar. *lächel*

Du vergisst mich nicht – deinen Matti

 

 

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