DER MORGEN DANACH

Gerade aufgewacht habe ich dieses unangenehme Gefühl kompletter Verminzung. So stolpere ich also ins Bad. Im Spiegel sehe ich sie dann: die sieben Zeichen der Hautalterung.
Glücklicherweise verfügt mein Haushalt über diverse Hilfsmittelchen, die einen das Morgengrauen erträglicher erscheinen lassen: perlweiße Zähne durch den Domestos Hygienespüler und du wirst schon nach dem ersten Schluck verstehen, warum das auch immer so bleiben wird.

Nach dieser Morgentoilette stellt sich mir dann doch die Frage: Was ist eigentlich passiert? So der Reihe nach, meine ich?
Diese Supigeile Jacobs-Kaffee-Zauber-Mega-Party von vorgestern mußte wohl irgendwie ausgeartet sein…

Naja, ich bin da eigentlich hingegangen, um die ganze Schwesternschaft mal wieder beisammen zu sehen.
Schon vor der Kneipentür roch es weniger nach Kaffee als nach diesen ulkigen, viel zu süßen Parfums, mit denen sich die jungschen Dinger von heute und die hechelnden Schabracken von gestern umnebeln, als glaubten sie tatsächlich, es gebe sie, die Düfte, die ihr Leben veränderten. Aber sag mal so ’ner aufgedonnerten Trine, sie solle lieber Prioren nehmen, daß dem Problem an die Wurzel packt. („Kreisch!!! Eine Ungläubige!“)

So hab ich da also gesessen, getrunken und mich mehr oder minder intellektuell unterhalten:
„Siehst du den da drüben? Mit dem tanzt hier jeder gern: Wer sonst schleudert so stark und ist dabei so babysanft zur Wäsche?“
„Mädel, an den kommste nich‘ so einfach ‚ran. Da mußte baggern, baggern…“ – „Ja, ich weiß, erst die Arbeit, dann das Kruston.“
„Schau doch mal der da: Augen mit dem Glanz nah am Diamant.“
„Und? Bisse jetzt drin?“
Kurz – ich begann mich schnell langzuweilen…

Und dann geschah ES: Trat so ein richtiges Schnuckelchen auf mich zu und fragte mich, ob er mir sein Schwein zeigen dürfe. Normalerweise fahre ich ja nicht auf solcherlei plumpe Anmache ab, dieser Kerl hatte da noch so dieses (un)gewisse Etwas, was dann doch meine Pizza hochgehen ließ. Also, als ob mich dermaßen der Milchjeeper gepackt hätte, mußte ich ihm einfach ‚runter von dieser Party folgen, dieser süüßen kleinen Trendbackidee!
Ja, wir verbrachten eine schöne Nacht, obwohl er eigentlich viel zu jung für mich ist und ich weder Deckel noch Löffel mag, aber man wird ja wohl mal umdenken dürfen. Und außerdem hatte ich tierische Megaperls und er einfach diese Fleckenzwergenkraft, der unser gemeinsamer Gilb einfach nicht widerstehen konnte.

Über den Rest breite ich hier lieber das Deckmäntelchen des Schweigens, denn some things never change und das schützt schließlich auch in einer Welt, die man nicht sehen kann.

Und nun liegt er da.
Oh Gott, was mach ich bloß mit dem, wenn er aufwacht? Will der etwa Frühstück am Nachmittag? Muß ich ihn in die Schule bringen, oder reicht es, wenn ich ihm den Weg zum U-Bahnhof erkläre? Gut, das Clerasil und den Viererpack Fruchtzwerge kann ich ihm ja schon mal vorsuchen.

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