GARTEN

Den Bahnhof der Stadt verlasse ich über eine breite Steintreppe. Draußen angekommen schlägt mir fahles Licht und schwebender Lärm entgegen. Ich halte inne. Geradeaus zu schauen ist sinnlos, die Sicht verbaut. Vor mir rauscht hupend, knatternd, kreischend der Verkehr vorbei. Mein Blick wird magisch nach oben geführt. Unendlich lange Fensterspalten ziehen sich dem Himmel entgegen. Die Enge erdrückt.

Ich schreite am Rande eines Stroms aus Unruhe entlang. Entgegenströmende Menschenmassen bremsen mich. Von hinten werde ich geschoben. Ich weiß nicht, wohin ich gehe. Die Richtung ist vorgegeben.

In einer Mauernische bleibe ich stehen. Verharre. Am hinteren Ende dieses Spaltes zwischen himmelstürmenden Fassaden dringt Licht zu mir herüber. Ein warmes Licht. Es fordert mich auf, näherzutreten. Ein quadratischer Innenhof überrascht mich mit einem leise säuselnden Bächlein zwischen ungemähten Wiesen. Das Wasser erquickt meine Seele. Ich lasse den Blick schweifen: Um mich herum Gräser, Bäume und Blumen in leuchtenden Farben. Ich möchte mich auf die Wiese legen. Rasten.

Ich setze mich. Der grüne Untergrund ist steinhart. Ich sitze auf Beton. Alles nur ein Traum? Enttäuscht lasse ich meinen Blick erneut schweifen. Überall Gräser, Bäume und Blumen in leuchtenden Farben.

Doch als ich nähertrete, sehe ich die Oberfläche nackten Sichtbetons. Gräser, Bäume und Blumen sind in leuchtenden Farben aufgemalt. Ich schaue nach oben und sehe die unendlichen langen Fensterspalten sich dem Himmel entgegenziehend. Die Enge erdrückt.

Ich drehe mich um und gehe wieder. Fahre Heim.

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