OUTING

Ja.
Jetzt oder niemals.
Heute ist es soweit. Ich rufe es endlich hinaus. Ich werde mich jetzt outen!

Schon lange beschäftigt es mich. Lange habe ich es nun schon für mich behalten, es nur meinen engsten Freunden erzählt! Ich habe mich einfach geschämt. Was würden die Leute sagen, wenn sie es erfahren hätten?
„Der Guido ist hmhm, der macht hmhm …“

Ich meine, es ist zwar nicht verboten, das so zu tun, wie ich es tue. Da sind bestimmt ganz viele, die es genauso tun wie ich. Die trauen sich vielleicht auch nur nicht, es zuzugeben, daß sie hmhm …
Ohje, was bin ich verunsichert gewesen! Wie albern eigentlich. Es ist doch schließlich nicht verboten.
Aber es hat schon etwas anrüchiges. Deswegen machen es die anderen ja auch im verborgenen.
So wie ich auch.

Und die Familie, und meine Mutter erst! Was würde sie sich für Vorwürfe machen? Die ganze Erziehung zu Sitte und Anstand: alles vergebens.
Nun gut, wenn es andere tun … auch in der Öffentlichkeit – das würde ihr bestimmt nichts ausmachen. Aber der eigene Sohn – macht ganz ungeniert weiter mit seinem hmhm?
Ich werde es heute preisgeben, mein kleines Geheimnis. Auch wenn ich nicht gerade erwarten kann, daß meine Umgebung besonders darüber freuen oder gar stolz auf mich sein wird.
„Da kommt der Guido, den kenne ich gut. Der macht regelmäßig hmhm.“

Ich habe auch schon darüber nachgedacht, einfach aufzuhören damit. Aber das ist gar nicht so einfach. Ich kann einfach nicht mehr ohne hmhm, habe mich einfach zu sehr schon dran gewöhnt.

Und nun fangen auch noch die Gerüchte zu brodeln an: „Der Guido macht heimlich hmhm.“
Alle meine Freunde scheinen es zu wissen, als sei es auf meiner Stirn eingebrannt.
Selbst im Büro. (Obwohl ich ja immer noch fest der Überzeugung bin, daß die Kolleginnen einfach nur eifersüchtig sind …)
Dieses Gerede nervt mich, ihr werdet das sicherlich verstehen. Ich kann es nicht mehr hören. Ich haluziniere schon. Betrete ich ein Restaurant, höre ich es ganz deutlich. Von allen Tischen wird geflüstert: „Da kommt der wieder. Und der macht andauernd hmhm.“ Selbst in der U-Bahn höre ich es. Und dann diese Blicke! Als hätten sie alle Mitleid, weil ich morgens und abends immerzu nur noch hmhm …

Ich halte es einfach nicht mehr aus! Dieses ständige „hmhm“! Heute will ich es jedem sagen. es scheint mir ja doch schon anzusehen zu sein.
Auch wenn mich dieses hmhm den Job kosten sollte. Na und? Dann war’s sowieso nicht der richtige für mich. das ist mir dann auch egal. Hauptsache, ich kann weitermachen mit diesem hmhm.

Mein ganzes Dasein scheint sich nur noch um das eine zu drehen. Das macht mich schier wahnsinnig! Das muß sich einfach ändern. Ich werde es einfach sagen, daß ich ein Liebhaber von regelmäßigem hmhm bin. Dann wird das hoffentlich alles etwas normaler.
Keine Angst, ich will niemanden dazu bekehren. Ich wünsche mir nur, daß es einfach als ein Teil von mir akzeptiert wird, daß ich so gerne hmhm. Ich werde es auch weiterhin im verborgenen tun, euch nicht mit dem Anblick meines hmhm belästigen.

Also, liebe Leute, liebe Freunde (auch die, die sich von mir abwenden werden, weil sie es einfach ekelhaft finden …), liebe Familie!
Ihr habt jetzt die einmalige Chance, ES zu erfahren. Ich werde es ganz deutlich kundtun.
Und bitte, verschont mich von jedweder Diskussion („Mußt du denn unbedingt hmhm?“). Ich kann und will nicht mehr ohne hmhm! Spart euch die wohlmeinenden Ratschläge. Sie machen es mir nicht einfacher. Auch werde ich mich keiner Therapiegruppe anschließen, wo jeder über sein persönliches hmhm redet. Das interessiert mich einfach nicht. Es ist sowieso nicht therapier- oder heilbar.
Ob mit oder ohne euch werde ich es wahrscheinlich bis an mein Lebensende tun.

Solltet ihr euch zu schwach für die Wahrheit fühlen, dann kehrt wieder um, klickt nicht weiter. Dann wißt ihr zumindest, daß ich ein kleines Geheimnis mit mir herumtrage. Aber bitte fragt mich nicht danach. Und bitte keine Gerüchte mehr …

Die, die es unbedingt wissen wollen, klicken »hier« .

Aber beschwert euch nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
Und geht mit meiner kleinen Schwäche bitte sorgsam um.

Euer Guido …

Dieser Beitrag wurde unter SCHANDMAULEREIEN, SOWAS veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.